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war  meistens  nur  ein  Scholastikus,  dessen  eigene  Gelehrsamkeit
  gewoͤhnlich  in  dialektischer  Philosophie  oder  Theologie  bestund.
  Jetzt  da  sich  auch  außer  den  Kloster=  und  Stiftsschulen
  mehrere  Lehrer  in  einer  großen  Stadt  niederließen,  da
das  eigene  Interesse  der  Lehrer  ihren  Fleiß  reitzte  und  ihrer
wechselsweisen  Eifersucht  fortdauernde  Nahrung  gab,  da  durch
das  beständige  persönliche  Zusammentreffen  der  fertigsten  Disputatoren
  Skepticismus  und  Freimüthigkeit  immer  mehr  befördert
  wurde:  jetzt  mußte  sich  nothwendig  allem,  was  damals
  für  menschliche  Wissenschaft  gehalten  wurde,  neues  Leben
  und  Thätigkeit  mittheilen,  die  alten  Methoden  mußten
neuern  weichen,  der  Lehrer,  der  vorher  vielleicht  bei  einer
Stifts=  oder  Klosterschule  ein  Publikum  von  sechzig,  siebzig
Jünglingen  gehabt  hätte,  bekam  jetzt  ein  Publikum  von  fünf,
sechshundert  Jünglingen,  und  sah  sich  auf  einmal  in  Stand
gesetzt,  für  Welt  und  Nachwelt  den  Ton  anzugeben.  Schon
der  Platz,  auf  welchem  er  stund,  gab  ihm  jetzt  eine  Auktorität,
  welche  ihm  hundert  Jahre  früher  weder  das  glänzendste
Amt,  noch  das  glücklichsie  Schriftstellertalent  gegeben  haben
würde.  Paris  und  Bologna  waren  die  zwei  Hauptplätze,
wohin  alles  zusammensirèmte;  am  erstern  Ort  bilderen  sich
Grammatiker  und  Philosophen  und  Theologen,  am  andern
Ort  war  die  Schule  der  Juristen;  denn  wo  mußte  diese  leichter
  entstehen,  als  in  dem  Land,  wo  vielleicht  seit  Justinian's
Zeiten  römisches  Recht  nie  ganz  erloschen  war,  wo  es  durch
das  Zusammemteffen  vieler  äußern  Veranlassungen  am  frübesien
  wieder  in  Gang  kam.  Wohl  dem,  der  zu  solcher  Zeit,
da  die  ganze  Litteratur  in  neuer  Gährung  ist,  ein  Buch
schreibt,  das  den  neuen  literarischen  Bedürfnissen  angemessen
ist.  Bei  wic  vielen  Büchern  in  der  Welt  kommt  fast  alles
darauf  an,  wenn  sie  geschricben  wurden:  ihr  ganzer  Nachruhm
  hängt  viel  weniger  vom  Wie  als  vom  Wenn  ab.