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ganzer  Jahrhunderte  beruhen.  Auch  der  Relchthum  von  Quellen
  und  Zeugen,  welcher  dieser  Geschichte  ganz  eigen  ist,  erleichtert
  und  erschwert  ihr  Studium;  denn  wo  ist  der  Werth  der
historischen  Zeugnisse  schwerer  zu  bestimmen,  als  in  der  Kirchengeschichte?


6.  3.

Erster  Hauptgesichtspunkt  der  Ohristlichen  Kirchengeschichte
  soll  unstreitig  dieser  seyn,  aus  den  Revolutionen
der  achtzehn  verflossenen  Jahrhunderte  sich  die  historische
Auflösung  des  gegenwärtigen  Zustandes  der  Christlichen  Kirche
  zu  suchen.  Die  Reihe  ist  vielleicht  in  keiner  Geschichte
so  zusammenhängend  wie  hier;  sie  geht  selbst  durch  die  unterbrechendsten
  Revolutionen  ununterbrochen  hindurch,  und
bleibt  immer  ein  Ganzes,  auch  wenn  die  Erzählung  aus  einer
  Weltgegend  in  die  andere  übergeht.  Wem  es  darum  zu
thun  ist,  aus  der  Geschichte  nicht  nur  gelehrt,  sondern  auch
weise  zu  werden,  für  den  ist  es  in  einzelnen  Perioden
das  herrlichste  Schauspiel,  auf  die  Entwicklungen  des
menschlichen  Geistes  zu  merken,  wie  sich  dieser  im  Verhältniß
  auf  seine  wichtigste  Angelegenheit  durch  die  mächtigsten
Strebungen  und  unglaublichsten  Verirrungen  gebildet  hat.
Nirgends  läßt  sich  auch  das  Fortschreiten  des  menschlichen
Geistes  mit  allen  Retrogradationen  und  Verirrungen  so  beurkunden
  als  hier,  nirgends  die  Farbe  besser  bemerken,
welche  er  vom  Klima,  von  der  besondern  Verfassung,  in
welcher  er  sich  entwickeln  mußte,  und  andern  äussern  Umsiänden
  annahm.  Wo  haben  sich  überdieß  je  die  verschiedenen
  Schattirungen  und  Mischungen  des  Irrthums  und  des
Lasters,  die  mannigfaltigsten  Proben  des  wechselsweisen  Einflusses
  des  Verstandes  und  des  Herzens  deutlicher  gezeigt,
als  in  der  Geschichte  der  Christlichen  Kirche?  Der  Vor-