25

Doch  wie  es  zu  Jerusalem  stand,  daran  lag  bald  nicht
mehr  viel,  weil  Jerusalem  gar  nicht  einziger  Schauplatz  oder
auch  nur  Mittelpunct  der  neuen  Kirche  seyn  sollte.  Aber  auch
in  der  uͤbrigen  Welt  trafen  sie  alles  vorbereitet  an.  Seit  den
Zeiten  der  Syrischen  Koͤnige  hatten  sich  die  Juden  durch  die
ganze  policirte  Weltizerstreut.)  Wo  also  die  Prediger  der  neuen
Lehre  in  irgend  eine  berühmte  Stadt  kamen,  fanden  sie  alte
Glaubensgenossen  und  Landsleute,  an  welchesie  sich  anschließen
konnten,  und  da  es  schon  laͤngst  Sitte  war,  daß  die  Jüdische
Synagoge  auch  von  frommen  Heiden  besucht  wurde,  so  konnten
  auch  die  Heiden  eine  Lehre  hören,  welche  man  in  der
Synagoge  vortrug.

Ueberhaupt  fand  auch  die  neue  Religioni  in  der  heidnischen
Welt  nicht  sogleich.  den  heftigsten  Widerstand.  Eine  neue  Religion
  oder  Verehrung  eines  neuen  Gottes  einzuführen,  war
fuͤr  den  Polytheisien  nichts  auffallendes,  denn  er  bedachte  nicht
sogleich,  daß  Christliche  Religion  nicht  bloß  neue  Religion,
sondern  eine  solche  neud.  Religion  sey,  welche  auf  den  Umsturz
aller  alten  gegründet  werden  mußte.  Man  hielt  Christen  lange
  Zeit  nur  für  Jüdische,  Sectirer:  sollten  also  Juden  geduldet
werden,  warum  nicht  auch  eine  einzelne  Jüdische  Secte?  Die
alten  heidnischen  Religionen  waren  längst  das  Gespötte  der
Klügern  und  die  sorglose  Verachtung  selbst  des  Pöbels  geworden,
  besonders  seitdem  auch  die  Caligulas  Anspruch  auf
göttliche  Ehre  machten.  Vielleicht  war  für  die  Christliche
Lehre  in  den  allerersten  Zeiten  ihrer  Ausbreitung  selbst  auch
dieses  ein  Glück,  daß  lauter  sorglose,  um  Staat  und  Religion
  unbekümmerte  Regenten  das  Rdmische  Reich  beherrschten.
  Erst  alsdenn,  da  sich  diese  neue  Partie  schon  allzuweit
ausgebreitet  hatte,  sieng  man  an  wahrzunehmen,  daß  alle
übrige  von  ihr  verdrängt,  würden.