32

neuen  Sonderlinge,  und  wie  die  Neigung  für  das  Christenthum
  allzu  allgemein  wurde,  so  fieng  man  auch  im  Ernst  an,
dasselbe  zu  widerlegen.

Das  Christenthum  triumphitte  über  alle  Hindernisse:
Gottes  Hand  war  sichtbar  in  der  Geschichte  seiner  allerersten
Ausbreitüng,  aber  leider  haben  die  Menschen  Gottes  Hand
fruͤhe  nachgemacht.  Bei  aller  Freiwilligkeit  für  die  größten
Verläugnungen  scheinen  die  moralischen  Begriffe  dieses  Zeitalters
  noch  nicht  so  aufgeklärt  gewesen  zu  seyn,  daß  nicht  man,
ches  von  der  Art,  wie  sie  oft  Christliche  Religion  auszubreiten
  suchten,  anstößig  scheinen  sollte.  Vieles  wird  sich  genauer
zeigen,  wenn  wir  nun  die  innere  Verfassung  und  Umstände
dieser  neuen  Partie  sehen.

S.  7.

Innere  Verfassung  der  Christlichen  Kirche  der  drei  ersten  Jahrhunderte
  nur  als  Gesellschaft  betrachtet.  Entstehung  des  Klerus.

Es  war  große  Mühe,  so  viele  verschieden  gesinnte  Köpfe,
  die  seit  den  ersten  Jahren  ihrer  Erziehung  durch  National-
  und  Religionshaß  getrennt  waren,  in  einer  Gesellschaft
  zu  bereinigen,  und  so  viel  auch  der  uninteressirte,  nachgiebige
  Charakter  der  Apostel  dazu  beitrug,  so  konnt'  es  doch
nicht  ohne  manchen  wechselsweisen  Stoß  geschehen,  da  die
Apostel  selbst  von  sehr  verschiedenem  Temperament  und  Denkungsart,
  auch  an  Seelenkräften  einander  sehr  ungleich  waren.
  Die  Scheidung  zwischen  Proselyten  aus  dem  Judenund
  Heidenthum  verlor  sich  wohl  erst  zu  Anfang  des  zwei,
ten  Jahrhunderts,  unterdeß  waren  die  ersteren  immer  die  angesehenere
  Partie,  bei  welcher  sich  auch  die  meisien  Kenntnisse
fanden.

Man  vermuthet  nicht  ganz  richtig,  daß  es  in  allen  solchen
  neu  entstandenen  Gesellschaften  eben  so  wie  zu  Jerusa-