44

unter  Ausschließung  von  Gemeinschaft  der  Kirche  nichts  geringeres
  gedacht  habe,  als  fast  unmittelbar  mitfolgende  Ausschließung
  von  der  Gemeinschaft  Gottes;  und  daß  Heiligkeit
  lder  Gemeine  —  ein  Begriff,  der  für  uns  ganz  verloren
ist  —  dieselbe  zum  Besitze  der  Gaben  des  heiligen  Geistes
erst  recht  geschickt  zu  machen  schien.  Durch  jene  verschiedene
Gradationen  wurde  man  gleichsam  aufs  neue  für  einen  Heiden,
  für  einen  Ungetauften,  für  einen  Täufling  erklärt;  denn
besonders  seit  dem  Ende  des  zweiten  Jahrhunderts  war  es
allgemeine  Gewohnheit,  daß  man  aus  Taufe  und  Abendmahl,
aus  dem  Taufsymbolum  und  dem  Inhalt  der  böffentlichen  Gebete
  vor  den  Unglaubigen  und  Katechumenen  ein  großes  Geheimniß
  machte.
§.  13.
Gottesdienst  der  Gemeinen.

Es  muß  übrigens  ein  fröhlich  schöner  Anblick  um  die  ganze
  Einrichtung  ciner  Christlichen  Gemeine  besonders  der  zwei
ersten  Jahrhunderte  gewesen  seyn.  Wenn  sie  sich  versammelte,
so  trat  nach  Anstimmung  froher  Lobgesänge  der  Presbyter  oder
Bischof  auf,  las  ein  Stück  aus  der  Bibel  A.  oder  N.  T.  vor,
deutete  es,  so  gut  er's  vermochte,  sprach  über  die  von  ihm  bemerkten
  Fehler  seiner  Gemeine  mit  einer  Herzlichkeit,  welche
man  itzt  strafwürdig  finden  würde,  und  dann  wurde  gebetet
namentlich  für  die  Obrigkeiten  und  den  Bischof.  Die  Kirche
segnete  in  ihrem  Gebet  das  Angedenken  der  Märtyrer  und
Confessoren,  der  edelsten  ihrer  verstorbenen  Mitglieder,  und
die  frohe  Empfindung  des  Gebets  erhob  sich  oft  so  sehr,  als  ob
der  entschlafene  Freund  ihnen  helfen,  als  ob  sie  ihm  mit  ihrer
Fürbitte  noch  nützen  könnten.

Der  Presbyter  oder  Bischof  nahm  Brod  und  Wein  von
den  zusammengebrachten  Oblationen,  betete  darüber,  wic  er