48

Lehre  zu  verkehren  suchte,  nicht  nur  daß  Juden  ihr  Judenthum,
  so  verdorben  als  es  damals  auch  war,  mit  dem  Christenthum
  zu  verbinden  suchten,  sondern  auch,  daß  Leute,  welche
  nach  dem  damaligen  Tone  Gelehrte  und  Philosophen  waren,
  ihr  Christenthum  an  ihre  philosophische  Meinungen  und
diese  an  jenes  anknüpfen  wollten.

Längst  nehmlich  vor  der  Erscheinung  der  Chrisilichen
Religion  war  besonders  in  den  Morgenländern  eine  Philosophie
  sehr  herrschend  geworden,  welche  bald  die  Materie  als
Quelle  alles  Bösen  angab,  bald  auch  das  große  Vernunfte
räthsel  vom  Ursprung  alles  Bösen  durch  Emanationshypothesen
  und  Aeonengenealogien  zu  ldsen  suchte,  und  durch  diese
  zwei  Vereinigungs-Versuche  sowohl  in  die  Dogmatik  als
in  die  Moral  manches  unrichtige  brachte.  Viele  dieser  Philosophen
  wurden  nun  auch  Christen,  und  die  Art  der  verschiedenen
  Verbindungen,  welche  sie  zwischen  ihren  alten  und
neuen  Ideen  auf  Kosien  der  einen  und  der  andern  zu  machen
  suchten,  brachte  die  verschiedensten  so  genannten  ketzerischen
  Systeme  hervor.

Schon  Paulus  eiferte  gegen  einen  Hymenäus  und  Philetus,
  welche  behaupteten,  die  Auferstehung  sey  schon  geschehen.
  Haben  sie  wohl  die  ganze  Lehre  bloß  allegorisch  von
der  Bekehrung  erklärt?  Johannes  widerlegt  Leute,  welche
leugneten,  daß  Jesus  wahrhafter  Mensch  gewesen  sey,  und
unter  den  Benennungen  Logos,  Sohn  Gottes  ganz  verkchrte
Begriffe  dachten.  Er  erlebte  noch  einen  Hauptanführer  dieser
  philosophirenden  Christen,  Cerinthus.  Dieser  suchte  Gnosticismus,
  Jädische  und  Christliche  Lehre  in  eins  zu  verbinden.
  Der  Gnostiker,  weil  er  einmal  die  Materie  nur  als
Quelle  alles  Bösen  ausah,  sprach  gewohnlich  vom  Weltschoͤpfer
  nicht  zum  rühmlichsten,  uberhaupt  war  ihm  der  Gott