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Mosis  nicht  transscendentel  genug.  Cerinth  aber  nahm  an,
daß  der  Weltschdpfer,  zwar  nicht  der  höchste  Gott  sey,  aber
doch  einer  der  erhabensten  guten  Engel  (Aeonen),  nur  sey  er
nach  und  nach  schlimm  geworden.  Deswegen  habe  Gott  einen
  andern  der  höchsten  guten  Aeonen  gesandt,  der  sich  auf
den  Sohn  Josephs  und  Mariens  bei  der  Taufe  herabgelassen,
und  denselben  der  Ausführung  seiner  großen  Thaten  fähig
gemacht.  Verleitet  durch  den  bösen  Geist,  den  Weltschdpfer
(Demiurgus)  hätten  die  Juden  Jesum  gekrenzigt,  und  bei  der
Kreuzigung  sey  Chrisius  hinweggeflogen.

Es  paßt  gar  nicht  mit  dem  übrigen  System  des  Cerinthus
zusammen,  daß  er  geglaubt  haben  solle,  Christus  werde  einmal
auf  die  Erde  wiederkommen,  und  mit  seinen  Glaubigen  im
höchsten  Genuß  sinnlicher  Wollüste  tausend  Jahre  auf  Erden
regieren.  Ist  hier  das  Unzusammenhängende  Grund  genug,
an  der  Richtigkeit  der  patristischen  Nachrichten  zu  zweifeln?

So  ungefähr  dachte  einer  der  Hauptanführer  einer  gnostischen
  Partie.  Es  ist  aber  unnütze,  die  weitere  Mannichfaltigkeit
  der  ausschweisenden  Einbildungskraft  dieser  Schwärmer
aufzusuchen.  Einer  dachte  sich  mehrere,  ein  anderer  wenigere
Aconen,  jeder  ordnete  sie  verschieden,  mancher  hatte  wohl
gar  kein  System.  Das  große  Räthsel  vom  Ursprung  alles
Bösen,  wie  es  sich  mit  Gottes  weiser  Güte  vereinigen  lasse,
beschäftigte  sie  alle,  und  alle  suchten  sich  dadurch  zu  helfen,
daß  sie  eine  mit  Gott  ewig  coeristirende,  von  ihm  unabhängige
Materie  annahmen,  die  entweder  ihren  besondern  Herrn  hatte,
der  sich  dem  höchsten  Gott  widersetze,  oder  welche  ein  abgefallener
  Geist  als  das  Mittel  brauche,  Gottes  wohlthätige  Abscchten
  zu  zernichten.  Manchen  haben  die  Kirchenväter  unter
die  gnostischen  Ketzer  gezählt,  der  als  aufgeklärter  Kopf  bloß.
Spittler's  sämmtl.  Werke.  II.  Bl.  4