53

jede  eheliche  Verbindung  uͤberhaupt  schien  ihm  schon  menschliche
  Schwaͤche,  und  drang  endlich  auf  eine  viel  strengere
Kirchenzucht  als  damals  gewoͤhnlich  zu  werden  anfieng.  Die
ganze  Partie  gab  sich  sehr  mit  Visionen  und  Prophezeihungen
ab,  und  man  hat  ihr  viel  apokryphische  Schriften  zu  danken.

Niemand  machte  diese  Partie  berühmter,  als  der  bekannte
  Afrikanische  Kirchenschriftsteller  Tertullian,  ein  Mann
der  bei  seinem  feurigen  Genie  und  bei  seinen  ausgebreiteten
Kenntnissen  sehr  viel  hätte  leisten  können,  wenn  er  seinem
Temperament  weniger  Einfluß  auf  seine  Theologie  gelassen,
und  mehr  genau  gedacht  als  lebhaft  empfunden  haͤtte.  Bei
einer  schwaͤrmerischen  Partie  ist  es  wohl  am  wenigsten  zu
verwundern,  wen  sie  sich  schnell  von  Provinz  zu  Provinz
ausbreitete.

G.  18.
Ketzereien  im  Artikel  von  der  Person  Christi.

Man  sieht  aus  dem  Bieherigen,  daß  die  Specuiationen
der  philosophirenden  Partie  unter  den  ersten  Christen  auf  die
Lehre  von  der  Person  Christi  gefallen  sind,  und  welche  Lehre
lag  ihnen  auch  näher  als  diese,  da  es  damals  noch  so  unverkennbar
  war,  daß  sie  einer  der  ersten  Hauptpuneie  des
Vortrags  der  Aposiel  gewesen.  Aber  es  waren.  auch  micht
allein  diese  philosophirenden  Partien,  welche  damals  in  den
Vorstellungsarten  dieser  Lehre  von  einander  abgiengen,  sondern
  es  gab  noch  manche  andere  Secten,  die  einen  ganz  andern
  Begriff  behaupteten  als  der  herrschende  war,  und  es
war  fast  keine  Provinz  der  damaligen  Christenheit,  wo  nicht
Verschiedenheit  der  Vorstellungsart  dieser  Lehre  große  Unruhen
  erweckte.

Zaͤnkereien  über  die  Frage,  wer  Christus  gewesen  sey,
zogen  sich  nothwendig  auch  in  den  Artikel  von  der  Dreiei—