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Eregese  in  der  Genauigkeit,  wie  sie  hier  erfordert  wird,  konute
  eben  so  wenig  statt  haben,  denn  die  Kunst  ein  Buch  so
zu  lesen,  daß  man  den  ganzen  Sinn  des  Verfassers  ergreift,
setzt  noch  weit  mehrere  Kenntnisse  und  Erfahrungen  voraus,
besonders  wenn  man  von  Jugend  auf  gewöhnt  worden  ist,
gewissen  Worten  und  Seellen  einen  bestimmten  Sinn  beizulegen.


9.  10.
Lehrbegriff  der  Vornicäischen  Perlode.  Origenes.  Hauptepoche
in  demselben.  ·

Streitigkeiten  und  erfundene  Unterscheidungen  waren  es
zwar  meist  von  jeher,  welche  der  Theologie  nach  und  nach
ihr  gelehrtes  Ansehen  gaben,  aber  oft  ereignet  es  sich  doch,
daß  ein  einziger  Mann  nach  und  nach  seinem  Zeitalter  einen
gewissen  Untersuchungsgeist  mittheilt,  oder  dasselbe  zu  ciner
gewissen  Methode  gewöhnt,  durch  welche  alles  allmählig  verfeinert
  oder  wenigsiens  in  andere  Formen  gebracht  wird.  Dieß
war  auch  Schicksal  der  Theologie  und  Religion  der  drei  ersten
Jahrhunderte.  Ungeachtet  aller  Zänkereien  mit  den  Gnosiikern
  behielt  doch  diese  und  jene  wenigstens  in  den  Artikeln,
welche  nicht  gerade  zunächst  streitig  waren,  ein  sehr  einfaches
unschuldvolles  Aussehen:  es  ließ  sich  kurz  und  kunstlos  sagen,
was  die  Christen  glaubten.

Es  ist  ein  Gott,  dieser  einzige  ist  Vater,  Sohn  und  Geist:
Unterschieden  sind  zwar  diese  drei  Namen:  das  ist  sie  bezeichneu
  nicht  einen  und  ebendenselben,  es  sind  nicht  bloß  drei  Namen
  eines  und  ebendesselben,  aber  wir  wissen's  doch  nichf,  wie
sie  unterschieden  sind.  Anbetung  gebührt  diesen  Dreien.  Wisind
  durch  unsere  Sünden  elend,  dem  Teufel  und  dem  Tod
unterworfen.  Uns  davon  zu  erretten,  wurde  Christus  wahrhatiger
  Mensch,  befreite  uns  nicht  nur  durch  seinen  Tod  von  der