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lange  ihre  Ruhe  durch  kein  feierliches  Edict  des  Kaisers
versichert  war,  so  lange  sie  bei  der  damals  getheilten  Römischen
  Welt  immer  nur  in  dem  Territorium  eines  oder
des  andern  Cäsars  geschützt  wurden,  so  hatte  nicht  nur  ihre
ganze  politische  Existenz  immer  noch  viel  ungewisses  und
mühseliges,  sondern  selbst  auch  ihre  große  Ausbreitung  wurde
  der  Reinigkeit  der  Lehre  in  dieser  Lage  immer  mehr
schädlich.  Alle  Vortheile  einer  der  Zahl  nach  zwar  geschwächten,
  aber  selbst  durch  den  bevorstehenden  Wechsel  nur  noch
gereizteren  Religionspartie  wandten  sich  immer  mehr  nach
und  nach  auf  die  Seite  der  Heiden,  und  selbst  Constantin,
  so  entschieden  er  gleich  anfangs  für  die  Christen  war,
wagte  es  doch  nicht  eher,  bis  er  allein  Herr  des  RNoͤmi-324
  schen  Reichs  wurde,  diesen  alle  Vortheile  einer  herrschenden
zo6  Religion  zuzusprechen.  Sein  erstes  Toleranzprivilegium  für
dieselben  verschaffte  den  Christen  Freiheit,  nur  durch  Gestattung

  einer  allgemeinen  Religionsduldung.
Ueber  Constantins  eigene  Religionsgesinnungen

ist  viel  gestritten  worden,  ob  er  aus  Politik  oder  Ueberzeugung
  Christ  geworden  sey?  Wer  kann  aber  entwickeln,  wie
diese  zweierlei  Beweggründe  besonders  in  der  Seele  eincs
Königs  einander  durchkreuzen,  einander  verstärken  mögen?
Daß  Constantin  auch  nach  Annahme  der  Christlichen  Religion
  immer  doch  noch  grausam,  falsch,  herrschsüchtig  gewesen,
  beweist  nicht,  daß  er  sich  nicht  zur  Chrisilichen  Religion
  bekannt  habe,  daß  er  nicht  aus  Ueberzeugung  Christ
geworden  sey;  wer  weiß,  was  sich  alles  mit  seinem  Ohristenthum
  vertragen  konnte?  Die  vermeinte  Vision  am  Tage
  der  Schlacht  mit  Marentius  vor  Rom  hat  ihn  gewiß
nicht  bekehrt,  wie  fast  schon  allein  die  Chronologie  beweist.

Es  ist  leicht  zu  vermuthen,  wie  schnell  nach  gesche-