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Abzuge  der  West-Gothen,  in  Mösien  sich  niedergelassen,
hatte  in  Constantinopel  Rdmische  Kriegskunst  und  andere
Roͤmische  Kenntnisse  gelernt,  und  selbst  ermuntert  vom  Byzantinischen
  Kaiser,  der  ihn  aus  seiner  Nachbarschaft  hinweg
wünschte,  gieng  er  nach  Italien,  und  setzte  sich  innerhalb  400
drei  Jahren  in  den  Besitz  desselben.  492

Indeß  aber  Italien  durch  Theoderichs  Regentenklugheit
  das  bluͤhendste  und  maͤchtigste  Reich  wurde,  so  vertilgte
einer  der  Fraͤnkischen  Fuͤrsten,  Chlodowich,  auch  den  letzten  486
Ueberrest  der  Roͤmischen  Oberherrschaft  in  Gallien,  und
gruͤndete  ein  Koͤnigreich,  das  dauerhafter  und  eben  so  groß
und  angesehen  war  als  Theoderichs  Reich.

So  hatte  also  der  ganze  Occident  seine  Herrn  gleichsam
gewechselt.  Was  noch  im  letzten  Viertel  des  vierten  Jahrhunderts
  unter  einem  Herrn  stund,  theilte  sich  ungefähr  in
fünf  große  Reichl.  Italien  gehörte  den  Ost-Gothen.  An
sie  schloß  sich  disseits  der  Alpen  das  Reich  der  Franken  und
Burgunder  an.  Mächtiger  als  die  letztere  waren  die  West-Gothen,
  welche  einen  beträchtlichen  Theil  von  Gallien  und
Spanien  besaßen.  Eine  kleine  Ecke  des  letztern  war  Suevisch,
  und  Afrika  seufzete  unter  der  Regierung  der  Vandalen.

West=  und  Ost-Gothen  waren  zwar  Christen,  ehe  jene
Spanien  und  diese  Italien  eroberten,  aber  sie  waren  Arianer.
  Wenn  also  schon  ihre  Eroberung  für  die  Geschichte
der  Ausbreitung  der  Christlichen  Religion  nicht  besonders
wichtig  scheint,  so  ist  sie  es  doch  in  Rücksicht  auf  die  innere
Verfassung  der  Kirche.  Burgunder  wandten  sich  gleich  beim
Anfang  ihrer  Besitzuehmung  in  Gallien  zum  Chrisienth  um.
Von  Vandalen  und  Sueven  ist's  ungewiß,  wie  und  wann
sie  Christen  geworden,  aber  die  Bekehrungsgeschichte  von