70

Chlodowich  ist  eben  so  bekannt,  als  sie  zugleich  zum  Beweise
dient,  wie  Koͤnige  damals  Christen  wurden.

Das  bloße  Zureden  seiner  Christlichen  Gemahlin,  einer
  Burgundischen  Prinzessinn,  hätte  auf  den  wilden  Eroberer
  wenig  gewirkt,  wenn  er  nicht  bei  Zülpich,  in  der
Schlacht  gegen  die  Alemannen,  erfahren  zu  haben  geglaubt
hätte,  daß  der  Christengott  der  siegreichste  Gott  sey,  und  die

406  Eilfertigkeit  der  Bischöfe,  ihn  sogleich  zu  taufen,  war  auch
für  den  größten  Theil  seiner  Nation  sehr  einladend.

Die  einzigen  Irrländer  sind  in  diesem  Zeitalter  durch
ordentliche  Missionen  bekehrt  worden,  welche  der  Romische
Bischof  Cälestin  schickte.  Ihr  Apostel  hieß  Patricius,  aber
er  war  Apostel,  wie  die  meisten  dieses  Seitalters.  Er  log  Wunder,
  brauchte  Drohungen  und  Versprechungen,  predigte  eine
Christliche  Religion,  wie  sie  ungefähr  solchen  Vblkern  nicht
ganz  widrig  scheinen  mußte,  und  gewöhnlich  war  der  erste
Hauptnutzen  einer  solchen  vermeinten  Bekehrung  nur  dieser,
daß  eine  Hierarchie  errichtet  wurde,  deren  fortdaurende  Wirkung
  erst  zur  Humanisirung  und  endlich  zur  Christlichwerdung
  der  Nation  nicht  wenig  beitrug.

So  hat  also  die  Christliche  Religion,  durch  die  Eroberungen
  dieser  so  genannten  barbarischen  Völker,  im  Occideut
nichts  an  Ausdehnung  ihres  Gebiets  verloren;  sie  gewann
vielmehr,  das  einzige  England  ausgenommen.

9.  24.
Geschichte  der  Ausbreitung  der  Christlichen  Religion  im  sechsten
  Jahrhundert.

Sehr  viel  unbeträchtlicher  ist  die  Geschichte  der  so  genannten
  Bekehrung  mancher  Asiatischen  Horden  im  fünften
und  sechsten  Jahrhundert.  Von  Abasgern,  Alanen,  Lesgen
hat  man  zwar  Nachricht,  daß  sie  größtentheils  durch  Justi-