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Der  ganze  Streitpunct  hatte  sich  nun  seit  diesem  kaiserlichen
  Entscheidungsurtheile  geändert.  Von  Nestorius  Person
  und  Orthodorie  war  gar  nicht  mehr  die  Rede.  Niemand
  nahm  Anstand  den  Namen  Gottesgebährerinn  von
Maria,  zů  gebrauchen,  aber  die  Bischoͤfe  der  Antiochischen
Diöbcese  waren  über  die  Mishandlungen  ,  welche  sie  auf  der
Ephesischen  Synode  erlitten,  aͤußerst  aufgebracht,  und  hielten
die  zwoͤlf  Saͤtze,  welche  Chrillus  als  Richtschnur  der  Orthodoxie
  daselbst  aufstellen  wollte,  für  wahre  Ketzerei.  Die  gelinderen
  Erklaͤrungen,  welche  der  Alexandriner  seinen  zwoͤlf
Saͤtzen  zu  geben  suchte,  wurden  von  den  Morgenlaͤndern  (Antiochenern)
  gar  nicht  gehoͤrt,  und  alle  irenische  Bemuͤhungen
des  Hofes  waren  vergeblich.  Endlich  mußte  doch  Cyrillus
nachgeben,  ein  Glaubensbekenntniß  unterschreiben,  worin  er
zivei  Naturen  in  Christo  gestand.  Dafuͤr  bequemten  sich  die
Antiochener,  die  Absetzung  des  Nestorius  zu  billigen,  und  seine
Lehrsätze  mit  dem  Anathem  zu  belegen.  Keine  beider  Partien
  aber  war  mit  diesem  Frieden  beruhigt.

Ein  großer  Theil  der  Morgenländer  erkannte  die  ungerechte
  Nachgiebigkeit,  womit  ihre  Freunde  den  Frieden  erkauft
  hatten,  und  Cprillus  mit  seiner  Partie  wollte  bald
nicht  nur  dem  Nestorius,  sondern  auch  dem  Lehrer  des  Nesiorius
  geflucht  wissen.  Theodor  von  Mopsbest  aber  (so  hieß
der  Name  des  letztern)  war  bei  den  Antiochenern  als  einer
der  größten  Theologen  geachtet,  und  dem  sollten  sie  nun  im
Grabe  fluchen,  aus  dessen  Schriften  sie  ihren  dogmatischen
Sprachgebrauch  und  ihre  eregetische  Weisheit  geschöpft  hatten.
  Bischof  Rabulas  von  Edessa  war  fast  der  wüthendste
unter  allen  diesen  Eiferern  der  Aegyptischen  Partic,  und  weil
gerade  zu  Edessa  die  Schule  war,  wo  die  vornehmsten  Mor-