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werde.  Es  war  bisher  manchmal  so  wunderseltsam  zugegangen,
  bis  eine  gewisse  Meinung  das  Gepräge  der  Orthodorie
erhalten.  Durch  hundertjährige  Erfahrungen  hatte  man  gelernt,
  daß  die  Beantwortung  einer  solchen  Frage  immer  nur
eine  neue  Frage  nach  sich  ziebe,  wo  sollte  dann  endlich  die
Gränze  seyn,  bei  welcher  menschlicher  Fürwitz  stehen  bleiben
würde?  Selbsi  der  Römische  Bischof  war  dießmal  schüchtern
und  so  sehr  er  von  den  Seythischen  Mönchen  behelligt  wurde,
so  bestand  er  darauf,  ihnen  keine  entscheidende  Antwort  zu  geben.
  Wie  er  sich  alsdenn  doch  endlich  eine  Antwort  abnöthi:
gen  ließ,  so  traf  er  gerade  eine  ungeschickte.

Der  Rdmische  Bischof  Hormisdas  erklärte  nehmlich  die
Lehre  der  Seythischen  Mönche  für  giftig  und  ketzerisch:  seine
Nachfolger  mußten  ihn  der  Unwahrheit  strafen,  denn  Justinian
ließ  den  Satz  der  Scythischen  Möuche  auf  der  Constantinopli=  553
schen  Synode  für  orthoder  erklären.

Einem  weisen  Alten  entleidet  sonst  nichts  mehr  als  theologische
  Polemik,  aber  der  bald  achtzigjährige  Justinian  fieng
kurz  vor  seinem  Ende  noch  eine  neue  Streitfrage  auf,  und
man  sah  keiner  geringeren  Verwirrung  entgegen,  als  diejenige
war,  welche  aus  dem  Dreicapitelstreit  entsprungen.  Unter  andern
  Fragen  nehmlich,  über  welche  sich  die  Monophysiten  unter
  einander  theilten,  war  keine  der  geringsten,  ob  Christus  bei
langem  Mangel  an  Speise  hungern  mußte,  oder  ob  er  bloß
deswegen  hungerte,  weil  er  hungern  wollte  (Phthartolatrae,
Aphihartodocetae).  Durch  einen  unglücklichen  Zufall  erfuhr
Jusiinian,  daß  die  Theologen  über  diesen  Punct  disputirten.
Er  war  sogleich  entschlossen  zu  befehlen,  daß  man  künftighin
im  Rdmischen  Reich  glauben  solle,  Christus  habe  nie  gehungert,
  als  wenn  er  habe  hungern  wollen.  Wer  weiß  wie  viel.
Glaubensartikel  Justinian  aus  kaiserlicher  Machtvollkommen-Spittler's

  semmtl.  Werke.  11.  Bd.  8  *-