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Verdacht  des  so  genannten  Nestorianismus  nicht  besser  frei
werden  zu  koͤnnen,  als  wenn  man  fuͤr  die  Ephesische  Synode
sehr  eifrig  stritt,  und  wer  nicht  die  Chalcedonische  Synode
recht  apotheosirte,  der  war  als  Monophysite  verdaͤchtig.

Eine  zweite  nothwendige  Folge  dieser  Zaͤnkereien  war
Einmengung  der  Philosophie  in  die  Theologie.  Die  Monophysitischen
  Streitigkeiten  liefen  so  sehr  in  die  feinsten  Unterscheidungen
  und  spitzfindigsten  Terminologien  hinein,  daß
Aristotelische  Philosophie  ganz  unentbehrlich  wurde.  So  verlor
  die  Chrisiliche  Glaubenslehre  ihre  Einfalt  und  sorglose
Unschuld,  und  war  im  sechsten  Jahrhundert  für  das  Herz
des  Menschen  weit  nicht  mehr  dasjenige,  was  sie  im  dritten
Jahrhundert  gewesen.  Auf  den  theologischen  Streitfragen  von
einer  oder  zwei  Naturen  beruhte  im  Orient  selbst  die  Summe
  der  Volksreligion.  Weil  Nestorius  Anfangs  Anstand  genommen
  hatte,  den  Namen  Gottesgebährerinn  ganz  unbestimmt
  zu  gebrauchen,  so  beeiferten  sich  alle  in  die  Wette
die  Maria  recht  zu  erheben.  Der  Monophysit  that  es  kraft
der  Hppothesen  seines  Systems,  und  der  Orthodore,  um  nicht
Ketzer  zu  scheinen.  So  wurde  Religion  und  Theologie  im
Orient  ein  elendes  Gewebe  von  Aberglauben  und  sectirischer
Grübelei.  Um  Besiimmungen  der  Heilsordnung  bekümmerte
sich  der  Orientaler  fast  gar  nicht,  die  größten  wichtigsten
Religionswahrheiten  wurden  unter  einem  Schwall  von  Spitzfindigkeiten
  und  Albernheiten  erstickt.  Wer  sollt'  es  glauben,
daß  Mahomed,  der  Betrüger,  eine  bessere  Religion  aus  seiner
Arabischen  Wüste  herborbrachte,  als  die  damalige  Chrifsiliche
war?

§.  ar.
Pelagianische  Streitigkeiten.
In  die  Occidentalischen  Kirchen  waren  nun  zwar  alle