122

4—

übertäubt  werden  kounte,  so  behauptcten  sich  die  Meinungen
des  fruchtbareren  Schriftstellers.  Die  Lateinische  Hermeneutik
dieser  Zeitalter  mußte  sje  noch  mehr  begünstigen,  und  man
hatte  bei  Augustin  immer  den  Vortheil,  Prädestination  und
Semipelagianismus  aus  ihm  erweisen  zu  können,  denn  wenige
  Schriftsteller  sind  sich  so  ungleich  wie  er,  und  zeigen  in
ihren  Schriften  ein  so  unverkennbares  Gepräge  der  Zeit  und
Veranlassung,  bei  welcher  sie  geschrieben  wurden.

Außer  den  Pelagianern  kämpfte  Augustin  mit  Manichäern
  und  Donatisten.  Diese  zwei  Partien  waren  zu  seiner
Zeit  in  Afrika  sehr  mächtig,  und  der  Eifer  gegen  die  ersiere
drang  ihn  um  so  stürker,  da  er  selbst  ehmals  ein  Manichäer
gewesen  war.

S.  42.
Priscillianisten.

Der  Manichäismus,  oder  die  Lehre  von  zwei  Grundwesen,
einem  guten  und  bösen,  und  die  gewöhnlich  damit  verbundene
Moral  hatten  sich  besonders  im  vierten  Jahrhundert  im  Occident
  gar  sehr  ausgebreitet.  Die  Kaiser  wütheten  mit  Verfolgungsgesetzen
  gegen  die  Anhänger  desselben,  und  diesen  Verfolgungen
  zu  entgehen,  änderten  die  Manichäer  ihre  Namen,
was  sie  meistens  auch  ohne  Betrug  beinahe  thun  mußten,
wenn  sie  sich  etwa  von  einem  neuen  vorzüglichen  Anführer
benannten.  „

So  die  Priscillianisten  in  Spanien.  Ein  berühmter
Spanischer  Bischof  Priscillian  ließ  sich  von  einem  Aegpptier
Markus  zur  Annahme  der  Manichäischen  Hypothesen  verleiten:
  sein  Beispiel  schien  sehr  gefährlich,  weil  er  soust  ein
Mann  von  großen  Talenten  und  großem  Ausehen  war.  Zuerst
  vertrieb  man  ihn  mit  seinen  Anhängern  aus  Spanien,
und  wie  er  sich  auf  seiner  Flucht  durch  Gallien  auch  dort