—

153

seinen  Helden  nicht  auch  in  der  Art,  dieselbige  auszubreiten,

zum  Muster  erwählte.  Otto  verfuhr  menschlicher,  vielleicht.
weil  er  weniger  durch  politische  Gründe  zur  Strenge  gezwungen
wurde.  Ihm  verdankt  Teutschland  die  Errichtung  eines  neuen
Erzstifts  zu  Magdeburg,  und  außer  diesem  der  vier  Bisthümer
  Brandenburg,  Havelberg,  Meissen  und  Naumburg;  denn
Errichtung  einer  ordentlichen  Hierarchie  in  solchen  neugewonnenen
  Ländern  hielt  man  schon  seit  Bonifacius  geiten  für
das  zuberlässigste  Mittel,  die  Christliche  Kirche  zu  gründen.
Die  Slavischen  Völker  verübten  zwar  anfangs  die  unerhörtesien
  Grausamkeiten  gegen  die  Bischöfe  und  Kirchen,  und
besonders  auszeichnend  war  der  Eifer  der  Böhmen.  Aber  die
Waffen  des  Königs  kamen  der  Christlichen  Religion  zu  Hülfe,

er  bezwang  die  Böhmen,  und  wußte  durch  andere  gute  Staatsanstalten,
  auch  die  übrigen  Slavischen  Völker  in  Respect  zu
zwingen.  Ueberhaupt  war  es  in  allen  Tractaten,  welche  Otto
mit  heidnischen  Fürsten  schloß,  immer  der  erste  Punct,  daß
sie  sich  entschließen  mußten,  seines  Glaubens  zu  werden,  und
ihrer  Entschließung  traute  er  so  lang  nicht,  bis  Bisthümer
errichtet  waren.

Der  Dänische  König  Harald  hatte  die  von  Ottens  Vater
  errichtete  Marggrafschaft  Schleswig  an  sich  gerissen.  Otto
drang  siegreich  bis  an  die  äußerste  Gränze  Jütlands.  Der
König  mußte  sich  unterwerfen,  ein  Christ  werden,  drei  neue
Bisthümer  zu  Schleswig,  Ripen  und  Aarhus  errichten,  über
welche  der  Hamburgische  Erzbischof  die  Aufsicht  haben  sollte.

Geschichte  der  Ausbreitung  der  Christlichen  Religion,  die
sonst  so  interessant  ist,  wenn  man  dem  allmäligen  Gange
der  Verwandlung  eines  Volks  recht  genau  nachgehen  kann,
muß  jetzt  für  den  Freund  pragmatischer  Geschichte  einc  sehr
gleichgültige  Sache  werden;  sie  ist  fast  nichts  anders  als  eine