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Sünden  durch  fromme  Schenkungen  los  zu  werden.  Hiezu
kam  denn  noch  die  immer  ausgebildetere  Lehre  vom  Fegefeuer.


Schon  zu  Anfang  des  sechsten  Jahrhunderts  war  diese
Lehre  durch  Gregor  den  Großen  zum  erstenmal  in  die  Dogmatik
  eingeführt,  und  gleich  darauf  als  eine,  dem  ganzen
Zeitalter  sehr  behagliche,  Idee  durch  viele  Beschreibungen  erweitert
  worden.  Alle  Sünden,  welche  in  dieser  Welt  nicht
abgebüßt  worden,  sollten  im  Fegefeuer  abgebüßt  werden:  wer
verstand  sich  also  nicht  gerne  dazu,  durch  Freigebigkeiten  gegen

  den  Klerus  sich  einen  schnellern  Weg  zum  Himmel  zu

bahnen?  Und  bald  kam  noch  das  Vorurtheil  hinzu,  daß
Schenkungen  an  die  Rdmische  Kirche  zu  Erlassung  der  bevorstehenden
  Sündenstrafen  viel  wirksamer  seyn  müßten  als
Indulgenzen  von  einer  andern  Kirche  oder  gleichsam  auf  den
Namen  eines  andern  Heiligen  ertheilt.

Eine  nie  verstegende  Quelle  von  Einkünften  war  dem,

nach  gefunden,  und  sobald  man  merkte,  wie  ökonomisch  vortheilhaft
  für  den  Klerus  die  Sünden  der  Laien  sepen,  so

wurden  die  Sündenregister  immer  vollzähliger,  die  Taren  des
Fastens  und  Pfalmenlesens  immer  mehr  erhöht,  ihre  Vertauschung
  mit  baarem  Geld  immer  mehr  erleichtert.  Alle
Kirchenzucht  zerfiel  daher  auf  das  jämmerlichste;  Kirchen
  und  Klöster  wurden  reich.  Im  Gefolge  des  Reichthums
war  das  äußersie  Verderbniß  der  Sitten,  selbst  die  leichtfinnige
  Art,  wie  Priester  von  den  schröcklichsten  Suͤnden  dispensirten,
  mußte  in  der  Seele  des  Beichtvaters  und  des
Beichtkindes  alles  Gefühl  für  Moralität  ersticken.  Patrioten
der  Kirche  seufzten  und  klagten  laut  über  solche  Indulgenzen,
sie  wollten  die  alten  kanonischen  Strafen  wiederhergestellt  wissen,

  aber  ihre  Stimme  war  zu  unmächtig  und  vollends  ganz
Spittler's  simmtl.  Werke.  II.  Bd.  11