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S.  14.
Händel  mit  Photius.

Die  Griechischen  Kaiser  konnten  es  nicht  vergessen,  daß
der  Roͤmische  Bischof  an  dem  gaͤnzlichen  Verlust  aller  Ueber—
reste  des  Exarchats  schuldig  sey;  und  sie  konnten  sich  nicht
entschließen,  dem  Fraͤnkischen  Koͤnig  eine  Beute  zu  goͤnnen,
welche  sie  selbst  doch  den  Longobarden  nicht  mehr  entreißen
konnten.  Sie  zogen  deswegen  alle  Besitzungen  ein,  welche
der  Roͤmische  Bischof  in  Sicilien  oder  in  andern  Provinzen
ihres  Reichs  hatte;  keine  der  Provinzen  ihres  Reichs  sollte
mehr  von  der  Roͤmischen  Kirche  abhangen,  Illyrien,  Macedonien,
  Epirus,  Achaia  und  Thessalien  wurden  an  den  Patriarchen
  von  Constantinopel  gewiesen,  der  sich  mit  Freuden
das  Angebotene  zueignete.

P.  Nikolaus  aber  glaubte  gleich  bei  dem  Antritt  seiner

850  Regierung  eine  herrliche  Gelegenheit  gefunden  zu  haben,  das
Entrissene  wieder  unter  seine  Oberherrschaft  zu  bringen.  Es
stritten  sich  damals  ein  Paar  sehr  mächtige  Männer  um  den
Constantinoplischen  Stuhl:  Ignatius  war  durch  Hofkabalen
gestürzt,  Photius,  das  größte  Genie  seines  Zeitalters,  durch  eben
dieselbe  erhoben  worden.  Beide  gaben  sich  Mühe,  von  dem  Rdmischen
  Bischof  anerkannt  zu  werden,  und  dieser  war  entschlossen
seinen  Beifall  recht  theuer  zu  verkaufen.  Photius  wollte  nur  nichte
als  gute  Worte  dafür  geben,  und  Nicolaus  sab  deswegen  die  Un'
gerechtigkeit  seiner  Stuhlbesteigung  sehr  bald  ein,  ercommunicirte
den  Photius  und  that  gelegenheitlich  auch  gegen  die  Griechisch
Kirche  recht  herrisch.  Der  Bischof  von  Constantinopel  antwor
tete  in  einem  nicht  viel  sanftern  Ton,  und  lachte,  so  lange  dei
Hof  auf  seiner  Seite  war,  aller  Banuflüche  und  Drohungen
und  gieng  darinnen  noch  weiter  als  der  Romische  Bischof
daß  er  die  Lateiner  ketzerischer  Meinungen  beschuldigte,  der