173
welche  anfangs  bloß  kaiserliche  Statthalter  waren,  hatten  sich
zu  unabhängigen  Herren  gemacht,  und  zankten  sich  wie  Ales
randers  Generale  unter  einander  herum.  Besonders  die
Marggrafen  von  Thuscien  machten  sich  zu  Rom  gewaltthaͤ-tig,
  und  in  Italien  selbst  wäre  ihnen  niemand  vollkommen
gewachsen  gewesen,  wenn  nicht:  die  Gegenpartic  öfters  die
Könige  von  Burgund  herbeigerufen  hätte:  Der  Römische
Bischof  verlor;  mit  welcher  Partie  er  auch  hhielt,  denn  die
Partien  waren  einander  an  Macht  ziemlich  gleich,  der  Sieg
mußte  also  dfters  wechslen.

Allein  in  der  ersten  Hälfte  des  zehnten  Jahrhundertsl
regierten  dreizehn  Päbstet  war  von  irgend  einem  etwas  großes
  zu  erwarten  2  konnte  irgend  einer  etwas  großes  ausführen,
  wenn  er  auch  das  Talent  dazu  gehabt  hätte?  Und"
das  gänze  päbstliche  Regiment  war  überdieß  noch  in  den
Händen  zweier  Damen,  Marozia  und  ihrer  Tochter  Theodora,
welcher  kaum  Messalinens  Unersättlichkeit  den  Rang  sstreitig
machen  wird.  Diese  gaben  ihren  Galans  oder  ihren  nafürlichen
  Kindern  die  päbstliche  Krone.  Mutier  und  Tochter
hatten  oft  gemeinschaftliche  Freunde.  Noch  öfters  waren
ihre  Liebhaber  von  entgegengesetzten  Partien;  in  beiden  Fällen
  mußten  Händel  undetmeidlich  seyn,  und  die  Kirche  Ebrift
war  gewöhnlich  das  Opfer.

Frankreich  fühlte,  bei  dem  letzten  Hinwegsterbei  des  Karolingischen
  Anschens,  das  ganze  Ungluͤck  einer  zerruͤtteten
Feudalverfassung.  Alle  Fugen,  wodurch  die  große  Staatsmaschine
  ein  festes  Gebäude  wurde,  hatten  sich  auseinander
gethan:  der  Soldat  unterdruͤckte  alle  uͤbrige  Staͤnde;  ölle
übrige  Stände  wurden  deswegen  auch  Soldatenstand.  In
Teutschland  waren  zwar  Regenten  mit  mehrerem  Ausehen
da,  aber  auch  sse  verhinderten  nür  mit  Mühe,  daß  Teutsch-