185

terdeß  kein  Mensch  auf  den  Einfall  gekommmen  daß  die
Hand  des  friedlichen  Geistlichen  von  der  blutigen  Hand  der
Könige  keine  Lehen  empfangen  könne,  daß,  was  einmal
der  Kirche  gegeben  worden  sey,  nicht  eben  so  wie  andere  Güter
  und  Scheukungen  von  Zeit  zu  Zeit  wieder  verliehen  werden
  müsse.  Sebald  aber  Gregor  der  Welt  seine  neue  Entdeckung
  verkündigt,  so  fand-sogleich  eine  große  Menge  eben
das  wahr,  was  Gregor  gefunden  hatte.  Es  entstand  nicht
nur  der  heftigste  Kampf-  zwischen  der  weltlichen  und  geistlischen
  Macht,  sondern  auch  Zeine  gelehrte  Streitigkeit,  in  wel:
cher  sich  die  besten  Federn  des  damaligen  Zeitalters  übten.
Eine  Verordnung  wegen  des  Cdlibats  der  Geistlichkeit
war  nichts  neues,  die  Verordnung  an  sich  selbst  würde  also
wenig  Aufsehen  gemacht  haben,  aber  man  erwartete  gar  nicht,
daß  auf  Beobachtung  derselben  mit  so  vieler  Strenge  ghdrungen
  werden  würde.  Die  Mainzer  Geistlichen,  deren  Erzbischof
  Sigfried  ein  inniger  Freund  Gregors  war,  antworteten
bei  der  Publication  der  päbstlichen  Verordnung,  sie  könnten  nicht
wie  Engel  leben,  der  Pabst  möge  sehen,  wo  er  sich  Engel  zu
Geisilichen  bekommen  könne.  Doch  siegte  endlich  das  unmenschliche
  Gesetz,  und  die  gänzliche  Vermischung  des  Mönchsstandes
  mit  dem  Klerus  war  gewiß  eine  der  Hauptursachen
seiner  glücklichern  Ausführung.  Die  arme  katholische  Geistlichkeit,
  die  nun  das  Sacrament  der  Ehe  nicht  mehr  genießen
soll!  Doch  die  noch  bedaurenswürdigéren  Laien,  deren  geistliche
Väter  so  gewaltthätig  von  allen  Empfindungen  eines  Gatten
und  Vaters  abgezogen  wurden,  welche  sie  der  Führung  des
WVolks  erst  recht  fähig  gemacht  hätten.  Hätte  doch  lieber
Gregor  in  dem  Investiturstreit  gesiegt,  als  mit  seinem  Cölibatgesetz!
  "]  .
Gregor  hat  den  Ton  zu  allen  nachfolgenden  Mißhand-