189

S.  19.

Resultat  aller  hierarchischen  Verdnderungen  in  dieser  Perlode.

Alles  hat.  sich,  wenn  wir  auf  die  bisherige  Periode
zurücksehen,  im  ganzen  System  der  Hierarchie  geändert.  Die
Griechische  und  Lateinische  Chrisien  erkennen  sich  nicht  mehr
als  Brüder;  zum  Nachtheil  der  beiderseitigen  Kirchen,  hört
die  bisher  beständig  forrdaurende  Communicatien  unter  ihnen
auf.  Die  Hierarchie  des  Orients  ist  wie  schon  zu  Anfang
dieser  Periode  geschah,  immer  mehr  dem  kaiserlichen  Despotismus
  unterworfen  worden.  Im  Occident  aber  siegte  die
geistliche  Macht  im  Kampf  mit  der  weltlichen.  Die  Synoden,
  auf  deren  Entscheidung  in  der  ersten  Hälfte  dieser  Periode
  noch  so  viel  ankam,  waren  ganz  unbedentend  geworden,
  wichtige  Sachen  giengen  alle  nach  Rom  und  der  Geschmack
  an  theologischen  Streitigkeiten  hätte  sich  bei  den  Bischoͤfen
  völlig  verloren,  da  sie  weltliche  Herren  geworden  waren.
  Die  beträchtlichste  Anzahl  von  Klöstern  hatte  sich  von
der  Subordination  der  Bischöfe  losgerissen,  der  Roômische
Bischof  suchte  alle  unmittelbar  an  sich  zu  ziehen,  und  da  ihn
die  Kdnige  dfters  zur  Ausführung  ihrer  Absichten  brauchten,
so  lernte  er  dabei  nach  und  nach  den  Gebrauch  seiner  Kräfte
kennen,  und  wagte  endlich  auch  zum  vermeinten  Besien  der
Kirche,  was  er  so  oft  vorher  bloß  andern  zu  gefallen  gethan.
hatte.  Wenn  man  die  äußersien  Mißhandlungen  und  die
tiefsten  Verehrungen,  welche  oft  einem  und  eben  demselben
Pabsie  widerfuhren,  mit  einander  vergleicht,  so  glaubt  man
sich  oft  unter  Menschen  versetzt,  welche  den  Wilden  ähnlich
sind,  die  ihren  Gott  prügeln,  wenn  er  ihnen  nicht  zu  Willen
  wird.  Es  wäre,  wenn  wir  es  nicht  noch  täglich  bei  einzelnen
  Menschen  wahrnehmen  könnten,  es  wäre  unbegreiflich.
was  der  Schall  gewisser  Worte,  mit  welchen  doch  niemand