198

glaͤubischen  Verehrung  aufhoͤren  sollte.  Das  Volk  glaubte,
der  Kaisertgehe  darauf  um,  die  ganze  Christliche  Religion
umzustuͤrzen,  und  die  Roͤmischen  Bischöfe  Gregor  II.  und  III.
behaupteten,  schon  seit  den  Zeiten  der  Apostel  habe  der  Bilderdienst
  in  der  Christlichen  Kirche  statt  gehabt.  Moͤnche  und
Geistlichkeit  verhetzten  das  Volk  gegen  den  Kaiser,  und  in
Italien-kam  es  zu  Empoͤrungen,  an  welchen  die  Roͤmischen
Bischoͤfe  nicht  unschuldig  waren.  Leo,  gereizt  durch  die  Widersetzlichkeit
  dieser  Eiferer,  gieng  immer  weiter.  Er  ent—
setzte  den  Patriarchen  von  Constantinopel,  einen  der  eifrigsten
Vertheidiger  des  Bilderdienstes,  und  verbot  nun  durch  ein
eigenes  Edict  die  Bilder  anzubeten.  Er  ließ  alle  Malereien
in  der  Kirche  auskratzen,  und  die  Gemaͤlde,  welche  man  hinwegnehmen
  konnte,  verbrennen.  Die  Moͤnche  schalten  ihn
einen  Antichrist,  einen  zweiten  Julian,  er  raͤchte  sich  an  ihnen
durch  Strafen.

Vom  Jahr  726  —  780  war  es  gleichfoͤrmig  fortdaurende
Bemuͤhung  der  Griechischen  Kaiser,  den  Bilderdienst  zu  verlilgen,
  die  ganze  Ruhe  ihrer  Regierung  hieng  davon  ab;  denn
welcher  mißvergnügte  Minister  oder  rebellische  Prinz  sich  für
den  Bilderdienst  erklärte,  hatte  immer  den  großen  Haufen  für
eine  Revolution  bereit.  Sie  giengen  nun  nicht  immer  bloß
nach  Strenge,  sondern  sie  hielten  Synoden,  und  suchten  das
Volk  durch  Synodalentscheidungen  zu  leiten.  Aber  Synodal
emscheidungen  konnten  das  Volk  nur  dahin  leiten,  wo  cs
ohnedieß  hinwollte:  alle  Bemühungen  waren  vergeblich,  im
Orient  war  alles  voll  Unruhe,  Iralien  gieng  verloren  und
eine  Staatsrevolution  im  Jahr  780  zernichtete  vollends,  was
vorher  so  mühsam  aufgebaut  worden  war.

Irene  schickte  nehmlich  ihren  Gemahl  den  Enkel  Leos
III.  aus  der  Welt,  regierte  unter  dem  Namen  ihres  Sehns