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Taufe  und  Abendmahl,  konnte  doch  unmoͤglich  vom  Volk  erkannt
  werden;  selbst  der  Priester  verstand  kaum  Latein  zu
lesen,  wer  von  dem  Volk  sollte  mit  Verstand  hören?  Einzelne
  Stücke  der  Bibel  wurden  zwar  übersetzt,  aber  wie  viel
gehörte  damals  dazu,  bis  ein  Buch  allgemein  in  Gang  kam!
Selbst  Otfrieds  Uebersetzung,  ungcachtet  sie  Poesie  war,  wurde
nicht  sehr  ausgebreitet,  und  so  lange  man  sich  nicht  auf  ein
solches  Buch  im  öffentlichen  Unterricht  beständig  bezog,  so  lange
nicht  der  öffentliche  Predigtunterricht  recht  häufig  und  angelegentlich
  war,  so  nahm  das  Volk  nur  wenigen  Theil  an  dem,  was
die  Gelehrten  seines  Zeitalters  sagten  und  schrieben.

Und  gerade  dieser  Volksunterricht  war  nur  höchst  sparsam
  und  dürftig;  der  ganze  Goktesdienst  schränkte  sich  immer
mehr  auf  die  Messen  ein,  also  auf  eine  Religionshandlung,
von  welcher  das  Volk  durchaus  keinen  Sinn  haben  konnte,
und  Karl  der  Große,  so  eifrig  er  suchte,  allgemeine  Aufklärung
  zu  verbreiten,  ergriff  doch  bei  versuchter  Ausbreitung
der  Religionskenntnisse  ein  Mittel,  das  gerade  entgegengesetzte
Wirkung  that.  Er  ließ  durch  einen  Gelehrten  an  seinem  Hof,
Paul  Warnefried,  Homilien  aus  den  Kirchenvätern  über  gewisse
  Evangelien=  und  Epistelterte  zusammensuchen.  Der  größere
  Theil  der  Bischöfe  und  Geistlichen  war  nicht  im  Stande,
Homilien  selbst  zu  verfertigen  oder  wenn  sie  je  Bücher  hatten,
sie  aus  denselben  zusammenzusuchen;  man  kam  ihnen  also  von
Seiten  der  Regierung  zu  Hülfe,  und  gab  ihnen  eine  Postill
in  die  Hände,  von  deren  Gebrauch  man  versichert  war.  So
wurde  freilich  hie  und  da  aus  der  Reichspostill  noch  eine  erträgliche
  Predigt  gehalten,  wo  vorher  gar  keine  gehoͤrt  worden
  wäre,  aber  die  nächste  Folge  war,  daß  sich  nun  niemand
mehr  Mühe  gab,  und  die  Bibel  selbst  immer  auch  unter  den
Gelehrten  außer  Gang  kam,  weil  man  das  für  den  Alltags-