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Geistliche  und  Laien  schienen  vergessen  zu  haben,  daß  es  ein
sechstes  Gebot  gebe.  Der  Name  eines  Bastards  war  keine
Schande.  Mit  den  schaͤrfsten  Kirchengesetzen  konnte  man
kaum  bei  dem  messehaltenden  Priester  einigen  Wohlstand  erzwingen.
  Auch  die  Bischöfe  dünkten  sich  nur  zu  oft  über
die  Gesetze  der  Menschheit  erhaben.  Man  sieht  in  der  Geschichte
  Gottschalks  selbst  an  einigen  der  größten  unter  ihnen,
was  ihre  Sitten  waren.
.  26.
Gottschalk,  ein  unglücklicher  Freund  Augustinischer  Meinungen.
Gottschalk,  ein  frommer  Mönch  aus  Frankreich,  da  er
auf  einer  Wallfahrt  von  Rom  nach  Hause  reiste,  wurde  unterwegs
  in  ein  Religionsgespräch  verwickelt,  worin  er  behauptete,
  Gott  habe  von  Ewigkeit  her  gewisse  Menschen  zur  ewigen
  Seligkeit,  gewisse  zur  ewigen  Verdammung  bestimmt.
Das  war  nun  gerade  eben  das  gesagt,  was  Augustin  längsi
gesagt  hatte,  und  Augustin  galt  doch  damals  für  einen  Grundpfeiler
  der  Orthodorie.  Aber  ein  Italienischer  Bischof  Noting
von  Verona  hörte  dem  Religionsgespräch  zu,  und  fand  Gottschalks
  Meinung  ärgerlich.  Er  gab  dem  Erzbischof  von  Mainz
Rabanus  Maurus  Nachricht,  und  bat  sich  Belehrung  von
demselben  aus;  denn  Rabanus  galt  damals  für  einen  der  augesehensten
  Theologen.  Die  gemachte  Anfrage  war  aber  dem
Erzbischof  höchst  erwünscht,  aus  Gelegenheit,  dem  Mönch
Gottschalk  wehe  zu  thun,  dem  er  schon  von  langen  Jahren  her
gram  war.  Noch  da  Rabanus  Abbt  in  Fuld  gewesen  war,
befand  sich  Gottschalk  als  Mönch  daselbst,  und  verließ  das
Klosier  mit  dem  größten  Widerwillen  des  Abbts,  der  einen
so  vornehmen  und  trefflichen  Jüngling  äußerst  ungern  verlor.
Voll  von  dem  Zutrauen,  das  eine  redliche  Ueberzeugung  einflößt,
  eilte  Gottschalk  sogleich  selbst  nach  Mainz,  wollte  sich  hier

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