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was  sie  wollten,  oder  wenn  sie  auch  dunkle  Gefuͤhle  der  Wahrheit
  hatten,  so  konnten  sie  ihr  Gemenge  von  Wahrheit  und
Irrthum  nicht  ausdrücken.  Wo  im  vorigen  Jahrhundert  ein
gewisser  Miböbrauch  nur  angefangen  hatte  hervorzukommen,
da  wurde  er  itzt  herrschende  Sitte.  Noch  Karl  der  Große
hatte  es  verboten,  daß  die  Glocken  getauft  werden  sollten,  weil
die  Taufe  nur  für  Menschen  sey:  im  zehnten  Jahrhundert
fieng  Glockentaufe  an,  ganz  gewöhnlich  zu  werden.  Für  Versiorbene
  hatte  man  längsi  Messe  gelesen,  aber  es  mußte  für
einzelne  Personen  besonders  bestellt  werden.  Zu  Ende  des
zehnten  Jahrhunderts  bekam  ein  Abbt  von  Clugny,  Odilo,
eine  Offenbarung,  wie  sehr  die  Scelen  im  Fegfeuer  wimmerten,
wie  viele  da  seyen,  welche  zu  lange  da  bleiben  müßten,  weil
für  sic  nichts  bestellt  worden.  Er  fieng  also  an,  eine  Messe
für  alle  Seelen  im  Fegfeuer  zu  lesen,  und  so  wurde  endlich  in
der  ganzen  Kirche  das  Fest  aller  Seelen  eingeführt.

Man  sieht  schon  aus  der  auch  im  achten  und  neunten
Jahrhundert  gewöhnlichen  Vervielfältigung  der  Messen,  daß
sie  glaubten  die  Wirkung  richte  sich  nach  der  Menge  und  Anzahl;
  daher  auch  schon  damals  die  Vervielfältigung  der  Gebete,
die  Meinung  Gott  zu  versöhnen,  je  öfter  man  ihn  das  Vaterunser
  und  den  Psalter  anhdren  lasse.  Nun  fiengen  sie  aber  an,
ihre  Gebete  dem  lieben  Gott  vorzuzählen,  und  alle  Verwirrung
  deshalb  zu  vermeiden,  kamen  schon  im  zehnten  Jahrhundert
  solche  Erfindungen  zum  Vorschein,  wie  Rosenkranz  und
Krone  der  Jungfrau  Maria  sind.

Dieser  ganze  Hang  zu  recht  sinnlichabergläubischen  Eebräuchen
  wurde  vollends  dadurch  unaufhaltbar  wirksam,  da
sich  in  Frankreich  die  Meinung  verbreitete,  daß  am  Ende
des  ersten  Jahrtausends  nach  Christi  Geburt  der  Antichrist
kommen,  und  dann  sogleich  das  jüngsie  Gericht  einbrechen

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