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Gränzen  eingeschränkt  worden,  so  gieng  es  itzt  auch  im  Occidenk,
  nur  daß  hier  andere  Mittel  zu  diesem  unglücklichen  Ziel
fübrten,  und  daß  im  Occident  jene  traurige  Todesstille  weiterer
Untersuchungen  in  gewissen  Artikeln,  niemals  so  allgemein
werden  konnte  als  da,  wo  alles  von  der  Willkühr  eines  Herrn
abhieng.

Man  nahm  im  Occident  nach  und  nach  alle  Spitzfindigkeiten
  in  die  Dogmatik  auf,  welche  durch  Nestorianische  und
Monophysitische  Streitigkeiten  erfunden  worden  waren,  und
an  vielen  Mißverständnissen  konnte  es  hiebei  nicht  fehlen,  wenn
so  feine  Unterscheidungen  aus  einer  Sprache  in  die  andere  übergetragen
  werden  sollten.  Artikel,  welche  die  Disputirsucht  der
Griechen  unberührt  gelassen,  wurden  auf  gleiche  Art  durch
eigne  innere  Streitigkeiten  der  Lateiner  verderbt,  und  Intoleranz
  gegen  Dissentirende  trug  nicht  nur  ganz  die  Farbe
dieses  rohen  Jeitalters,  sondern  wurde  auch,  wie  schon  Berengars
  Beispiel  zeigt,  durch  litterarische  Kabalen  veranlaßt
und  genährt.  Nach  allen  diesen  Hauptbeziehungen  hat  sich
also  nichts  in  den  Schicksalen  der  Religion  und  Theologie
gebessert;  aber  von  der  Seite  der  eigentlich  gelehrten  Kenntnisse
  war  doch  besonders  durch  die  Revolutionen  des  elften
Jahrhunderts  sehr  viel  gewonnen  worden.

Man  sieht  nehmlich  in  diesem  Zeitpunct  ganz  deutlich,
wie  sich  alles  der  Epoche  nähert,  wo  der  menschliche  Geist
die  bisher  mehr  nur  einzeln  gedachten  Wahrheiten  nach  und
nach  in  spstematische  Verbindung  setzen  lernte,  und  durch  ei—
nige  Ueberschauung  des  Ganzen  das  wechselsweise  Verhältniß
  derselben  entdeckte.  Die  ersten  Versuche  eines  theologischen
  Spstems  waren  freilich  wie  alle  solche  ersien  Versuche
kaum  etwas  mehr,  als  Zusammenwerfung  der  angenommenen
  theologischen  Wahrheiten  unter  gewisse  Hauptrubeiken.