243
Interesse  zu  erhalten  suchten,  bo  wirkte  auch  das  Justitut
selbst  wieder  auf  die  Rmische  Hierarchie  zurück,  scharfsinnige
Kanonisten  wurden  Pööste,  und  was  vorher  oft  bloß  nur
einzelne  Gemaltthätigkeit  oder  Prätenst  nion  war,  wurde  nun
ausgebildetes  System.

Eben  so  sichtbar  war  endlich  auch  der  Einfluß  dieser
neuen  Institute  auf  das  Ganze  der  theologischen  Litteratur.
Da  sich  nun  die  scharfsinnigsten  und  thätigsten  Köpfe  ganzer
Zeitalter  an  einem  Orte  vereinigt  fanden,  da  neben  der
nothwendigen  Verschiedenheit  ihrer  Denkart  der  wechselsweise
Widerspruch  derselben  auch  durch  persdnliches  Interesse,  durch
Ruhmsucht  und  Eigennutz  gereizt  wurde,  so  arteten  bald
alle  Disciplinen  in  einen  casuistischen  Skeptieismus  aus,  und
weil  über  allem  disputirt  wurde,  auch  sowohl  Wahrheit  als
Größe  des  Genies  nach  dem  siegreichen  Disputiren  geschätzt
ward,  so  entstand  schon  mit  der  ersten  Hälfte  des  dreizehnten
  Jahrhunderts  eine  höchst  ausgeartete  theologische  Scholastikk,
  neben  welcher  unmöglich,  wie  bisher  Grammatik  und
classische  Litteratur  noch  blühend  bleiben  konnten.

Offenbar  that  es  ohnedieß  schon  der  theologischen  Litteratur
  keinen  geringen  Schaden,  daß  bei  der  großen  Concurrenz
  von  Lehrern  an  einem  solchen  Orte  bald  neue  Lehrfächer,
  neue  eigene  Disciplinen  entstanden,  von  welchen  die
besien  Köpfe  folgender  Jeitalter  so  angezogen  wurden,  daß
ihre  Bemühung  für  Religion  und  Theologie,  ihr  Ansehen  für
die  Christliche  Kirche  verloren  gieng.  Die  zwei  wichtigsten
Diseiplinen  dieser  Art,  welche  sich  zuerst  von  der  Theologie  abschieden,
  waren  Roͤm  isches  und  kanonisches  Recht.