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getragen.  Der  Proceß,  nach  welchem  man  mit  diesen  Ungluͤcklichen
  verfuhr,  war  gerade  das  Gegenspiel  von  aller
sonst  menschlichen  Gerechtigkeit,  es  war  als  ob  sich  die  Kirche
nicht  nach  den  Regeln  des  gemeinen  Menschenverstands  zu
richten  haͤtte.

Von  denen,  welche  in  Teutschland  Dominicanerinquisition
  in  diesem  Zeitalter  einzufuͤhren  versucht  haben,  ist  der
verrufenste  der  Beichtoater  der  Landgraͤfin  Elisabeth  von
Thüringen,  Konrad  von  Marburg.  In  einem  Lande,  wo
bisher  zu  wenig  Licht  und  zu  wenig  Thätigkeit  war,  als  daß
leicht  Ketzer  hätten  entstehen  konnen,  entdeckte  er  unter  Adel
und  Volk  mit  einemmal  ganze  Schaaren  solcher  Unglücklichen.
  Edelleute,  Bauren,  Geistliche,  Mönche,  nichts  war
vor  ihm  sicher.  Selbst  die  Ermahnungen  der  Teutschen
Bischdfe  Konnten  ihn  nicht  zur  Mernschlichkeit  bewegen.  Er
wurde  endlich  von  dem  erbitterten  Volk  todtgeschlagen,  aber
sein  Tod  konnte  den  einmal  gemachten  Anfang,  daß  man
in  Teutschland  das  Verfahren  des  südlichen  Frankreichs  nachahmte,
  nicht  völlig  verhindern.  Der  Erzbischof  von  Bremen
ließ  gegen  seine  Stedinger  Bauren  als  Keßzer  das  Kreuz  predigen,
  weil  sie  ihm  und  dem  Bischof  von  Minden  den  Zehnten
nicht  geben  wollten.  Die  Schwäbischen  Bauren  bei  Halle
harten  ähnliches  Schicksal,  und  Kaiser  Friedrich  II.  der  wegen
seiner  eigenen  Händel  mit  den  Pöäbsten  nicht  orkhodor  genug  erscheinen
  konnte,  bewaffnete  den  Eifer  der  Geistlichen  mit  Reichsgesetzen,
  welche  leider  bis  auf  Luthers  Zeiten  herab  wirkten.

So  wirkte  alles  von  außen  und  von  innen  gleichsam
auf  den  einzigen  Punct  hin,  dem  Pabst  die  unabhängigste
HOberherrschaft  über  Kirche  und  Staat  zu  verschaffen,  und
sein  Regierungsrecht  über  alle  einzelne  Reiche  der  Christenheit
  selbst  in  die  Verfassuug  dieser  Reiche  zu  verweben-