251

Das  bestimmte  Wahlceremoniel  des  Roͤmischen  Bischofs
hatte  endlich  unstreitig  auch  auf  die  Art,  den  Teutschen  Konig
  zu  wählen,  einen  bildenden  Einfluß.  Auch  hier  sieht
man  seit  der  Mitte  des  zwölften  Jahrhunderts  ein  geschlossenes
  Wahlconclave,  und  wenn  schon  vielleicht  damals  noch
nicht  die  Zahl  sieben  auch  hier  als  heilige  Zahl  angenommen
wurde,  so  war  doch  bald  auch  bier  der  Unterschied  zwischen
wählenden  Hauptstimmen,  Consultationssiimmen  und  Stimmen
  des  Beifalls  so  genau  bestimmr,  als  bei  Bischofwahlen.

So  war  also  bei  der  auf  Alterthum  und  neue  bessere
Einrichtungen  sich  gründenden  Macht  des  Roͤmischen  Bischofs,
da  selbst  die  ganze  Art  der  damaligen  Aufklär  ung  dieselbe
begünstigte,  da  sich  in  der  Römischen  Hierarchie  alles  immer
mehr  zur  festern  zusammenhängendern  Monarchie  bildete,  in
Teutschland  hingegen  die  großen  Vasallen  sich  immer  mehr
von  der  Abhängigkeit  losarbeiteten,  so  war  es  also  nicht  anders
  möglich,  als  daß  die  geistliche  Macht  immer  mehr  über
die  weltliche  siegte.  Selbst  der  mächtige  Friedrich  I.  wie  viel
Möhe  hatte  er  nicht,  seine  Teutsche  Vasallen  zu  häufigen
Zügen  nach  Italien  zu  bewegen,  und  Italien  gehorchte  dem
mächtigsien  Kaiser  nicht,  wenn  nicht  jeder  seiner  Befehle  von
einer  Armee  unterstützt  wurde.  Wie  viele  der  Teutschen
Rittrr,  deren  Schwert  vielleicht  die  Römer  Gehorsam  gelehrt
hätte,  bußten  in  Palästina  ihr  Leben  ein?  Die  großen  Vasallen
  zogen  nach  und  nach  alle  Güter  der  kleineren  Herrn
an  sich;  denn  diese,  wenn  sie  nach  Paläsiina  zogen,  glaubten
in  Teutschland  keinen  Fuß  breit  Landes  mehr  nöthig  zu  haben.
  So  vergrößerten  sich  die  mächtigen  Herzoge  in  Teutschland,
  die  Macht  des  Kaisers  nahm  immer  ab,  und  unter
allen  Europaͤischen  Monarchen  war  doch  er  der  einzige,  der
den  Pabst  im  Gehorsam  halten  konnte.