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Königen,  hatten  Muth  oder  Einsicht  genug,  das  drückende
Joch  abzuwerfen.  Auch  war  mit  manchen  gerade  der  drückendsten
  Kirchenmißbräuche  ihr  eigenes  Interesse  zu  sehr  verbunden,
  als  daß  eine  Reformation  von  ihren  Veranstaltungen
  hätte  ausgehen  konnen.  Schon  allein  die  Spanische
Inquisition  ist  ein  Beweis,  wie  Könige  gegen  die  Macht  des
Pabsts  und  des  Klerus  sich  zu  schützen  suchten,  und  Erfindungen
  der  Kirche  für  sich  brauchen  lernten,  um  ihren  Desporismus
  desio  sicherer  zu  gründen.

Wie  mit  Gottes  Geist  gewaffnet  trat  endlich  ein  Augustinermönch
  auf,  und  machte,  in  weniger  als  vierzig  Jahren
mehr  als  der  Hälfte  der  bisherigen  katholischen  Christenheit
begreiflich,  daß  der  angebetete  Römische  Pabst  nicht  mehr
als  erster  occidentalischer  Pfarrherr  seyn  soll,  und  daß  der
Bfarrherr  zu  Rom  jedem  andern  Pfarrherrn  nichts  mehr
zu  befehlen  habe,  als  sie  sich  befehlen  lassen  wollten.  Hat  er
aber  seinen  Collegen  nichts  zu  befehlen,  was  mag  er  sich  vollends
  über  die  Könige  herausnehmen?

6.  23.
Uebersicht  der  ganzen  Periode.

Man  kann  den  ganzen  Zeitraum  von  Gregor  VII.  bis
Luther  nicht  ohne  innigste  Rührung  überschauen,  wie  schwach
und  wie  siark  der  Mensch  zugleich  ist,  wie  selbsi  in  den  dunkelsten
  Perioden,  selbst  in  den  drohendsten  Zeiten  der  vollendetesten
  päbsilichen  Hicrarchie  immer  Stimmen  der  Wahlheit
ertönten,  der  natürliche  Menschenverstand  nie  ganz  sich  unterdrücken
  ließ  aber  wie  doch  auf  jeden  Versuch  desselben,
sein  Recht  zu  behaupten,  Recidive  von  Schwachheit  erfolgten,
dic.  nicht  so  wohl  aus  der  Lage  der  wiederkehrenden  Umstände
oder  aus  der  ganzen  Beschaffenheit  des  Zeitalters  entsprangen,
  als  vielmehr  aus  der  eigenen  Schwäche  der  Reforma-