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gestoͤrt  zu  werden.  Die  Kirche,  sagten  sie,  hat  befohlen,  was
als  theologische  Wahrheit  gelten  soll,  aber  es  kann  theologisch
wahr  scyn,  was  philosophisch  falsch  ist;  wir  lassen  die  theologischen
  Wahrheiten  unberührt,  und  disputiren  nur  über  die
philosophischen.  So  wurden  die  ersten  Grundsätze  der  natürlichen
  Religion,  Eristenz  Gottes,  seine  Vorsehung,  Unsterblichkeit
  der  Seele,  in  dffentlichen  Schriften  und  Hörsälen  bestritten,
  und  man  achtete  des  Verbots  der  Päbste  nicht,  wenn
sie  eine  Kühnheit  untersagten,  welche  durch  die  übersetzten
Schriften  der  Arabischen  Pbilosophen  immer  mehr  genährt
wurde.

Die  Päbste  selbst  und  auch  der  Klerus,  der  nicht  Kenntnisse
  genug  hatte,  sich  in  jenen  scholastischen  Labyrinthen  zu
verlieren,  giengen  zugleich  in  dreister  Abänderung  der  we,
sentlichen  Religionspuncte  immer  weiter.  Sie  waren  zu  be,
quem,  das  Kind  durch  Untertauchen  zu  taufen,  philosophirten
also  darüber,  ob  es  denn  gerade  die  Quantität  des  Wassers
ausmache,  es  werde  genug  seyn,  wenn  nur  Wasser  auf  den
Leib  hinkomme:  so  führten  sie  die  Besprengung  ein,  statt  der
Untertauchung.  Viele  Kinder  starben  ganz  ungetauft,
wenn  die  Aeltern  die  Taufkosten  nicht  auftreiben  konnten;
und  doch  wurde  nach  den  Begriffen  des  damaligen  Zeitalters
kein  ungetauftes  Kind  selig.  —  Waren  es  reicher  Leute  Kinder,
  so  taufte  man  sie,  wenn  sie  schwach  zu  seyn  schienen,
oft  noch  ehe  sie  ganz  auf  die  Welt  kamen.

Seit  der  Mitte  des  dreizehnten  Jahrhunderts  fieng  man
auch  an,  den  Laien,  und  zwar  zuerst  nur  dem  großen  niez
drigen  Haufen  den  Kelch  zu  entziehen,  Könige  durften  ihn
noch  im  vierzehnten  Jahrhundert  trinken,  denn  die  ganze  Religion
  gewann  um  der  Habsucht  der  Priester  willen  immer