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Predigten  in  den  Muttersprachen  im  dreizehnten  und  vierzehnten
  Jahrhundert  so  fast  ganz  keine  Veranstaltung  gemacht
war?  Das  von  blinden  Leitern  geführte  blinde  Volk  mußte
freilich  Irrtritte  thun,  die  uns  itzt  äußerst  lächerlich  sind.
Schon  zu  Ende  des  zwölften  Jahrhunderts  zeigte  es  sich  an
einzelnen  Beispielen,  welchen  Ausgang  ein  solcher  Zustand
der  Sachen  endlich  bekommen  werde.  In  Frankreich  war
ein  Mann  Namens  Eon:  er  hörte  in  der  gewöhnlichen  Exorcisirformel
  adjuro  te  per  eum,  qui  venturus  est  judicare
vivos  et  mortuos.  Das  hielt'  er  fuͤr  eine  deutliche  Prophezeihung
  auf  sich,  gab  sich  fuͤr  den  Richter  der  Lebendigen  und
Todten  aus,  bekam  einen  großen  Anhang,  mit  welchem
er  so  lange  vom  Raube  der  Kirchen  und  Kloͤster  lebte,  bis
man  mit  Feuer  und  Schwerdt  gegen  ihn  wüthete.  Gerade
die  zwei  Jahrhunderte,  in  welchen  das  verderbte  System  der
großen  Kirche  gleichsam  vollendet  wurde,  sind  voll  Bewegungen
  des  Volks,  das  sich  zu  belfen  suchte,  und  nicht  zu  helfen
  wußte.

Weil  auch  die  Geisilichkeit  so  ganz  alles  auf  den  äußern
Gottesdienst  setzte,  so  war  es  gemeinschaftliche  Meinung  aller
sonst  noch  so  sehr  von  einander  abgehenden  Ketzer,  den  äußern
  Gottesdienst  und  ein  ordentliches  Kirchenregiment  zu
verachten,  selbst  die  Sacramente  zu  verwerfen,  denn  wie  konnten
  sie  die  Sacramente  für  etwas  anders  halten,  als  für  einen
  Fund  der  Geisilichen,  um  Geld  zu  schneiden?  Bei  diesen
  mißvergnügten  Partien  waren  die  sirengsten  Büßungen
eingeführt,  denn  für  ein  Stück  Geld,  das  die  Geistlichen  in
Ueppigkeit  zu  verprassen  hatten,  seiner  Sünden  los  werden,
war  dem  gemeinen  Menschenverstand  etwas  gar  zu  ungereim
tes,  und  für  die  Schrecken  der  Ewigkeit  gar  zu  unbefriedigen-