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ein  Bruder  den  andern  ermahnen  und  lehren  duͤrfe,  warum
man  gerade  ceremonioͤs  ordinirt  seyn  solle,  um  kseinen  Freunden
  und  Nachbarn  etwas  erbauliches  sagen  zu  können.  Vom
Ablaß  hielten  sie  gar  nichts,  Gebet,  Almosen  und  Fasten  waren
  ihre  Bößungsmittel.  Sünden  vergeben  könne  ohnedieß
nur  Gott,  und  jene  Mittel  sepen  bloß  guter  Rath,  die  ein
Freund  dem  andern  geben  könne,  man  habe  keinen  Geistlichen
  dabei  ndthig.  Vom  Fegfeuer  stehe  nichts  in  der  Bibelt
aber  was  in  Jesu  Bergpredigt  so  deutlich  gesagt  worden,  auf
das  Acht  zu  haben  und  das  treulich  zu  halten,  sey  wichtigere
Pflicht  eines  Christen,  als  sich  mit  Gebeten  für  Verstorbene
und  dergleichen  Aberglauben  mehr  zu  beschäftigen.

Die  ganze  Kirchenverfassung,  die  sie  sich  gaben,  war  so
eingerichtet,  wie  sie  gläubten,  daß  apostolische  Kirchenverfassung
  gewesen  sey.  Ihre  Lehrer  —  arme  ungelehrte  Handwerksleute.
  So  viel  sich  thun  ließ,  eine  Gütergemeinschaft
unter  ihren  Gemeinen,  wie  nach  ihrer  Meinung  die  in  der
ersten  Kirche  zu  Jerusalem.  Sie  sprachen  deswegen  dem
Christen  das  Recht  nicht  ab,  Eigenthum  zu  besitzen.  Der
Laie  genoß  bei  ihnen  den  Kelch;  sieben  Kirchensacramente
kannten  sie  nicht  als  Glaubensartikel.  Die  Wahrheit  schien
sich  zu  diesen  guten  edlen  Menschenzu  flüchten;  denn  dieser
Separatistenhaufen  sollte  für  künftige  Jahrhunderte  ein  redendes
  Denkmal  seyn,  wie  viel  Wahrheit  in  der  großen
Kirche  noch  zu  Ende  des  zwölften  Jahrhunderts  war.

§.  28.
Wiklif.

Das  Volk  mochte  unterdeß  immerhin  über  seine  Lehrer
und  ihre  Finanzdogmatik  murken,  es  hatte  keine  Wirkung
auf  Umbildung  derselben,  vielmehr  wurden  ihm  von  Zeit  zu
Zeit  immer  noch  mehrere  Rechte  entrissen;  der  Sclave,  der