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waren  wie  bei  jedem  Manne  in  solchen  Umstaͤnden,  fast  in
bestaͤndiger  Ebbe  und  Fluth,  und  er  gieng,  wie  einzelne  Vorfälle
  seines  Lebens  zeigen,  oft  von  der  Wahrheit  auf  den  Frrthum
  zuruͤck,  oder  vermengte  seine  neu  erkannte  Wahrheit
mit  neuen  Irthuͤmern.  Doch  Gluͤck  genug,  daß  nur  einmal
solche  Veranlassungen  zum  Nachdenken  gerade  an  dem  Ort
gegeben  wurden,  wo  sie  ein  Publicum  fanden,  das  weniger
noch  fuͤr  Vorurtheile  eingenommen  war,  und  immer  mehr
Liebe  zum  Neuen  als  zum  Alten  hatte.  In  dreißig,  vierzig
Jahren  mußte  man  nothwendig  Wirkungen  der  ausgestreuten
Wahrheit  sehen,  und  Schriften  eines  beliebten  Universitaͤtslehrers
  konnte  auch  paͤbstliche  Tyrannei  nicht  unterdruͤcken,  denn
sie  giengen  unter  den  Schuͤlern  von  Hand  zu  Hand,  und
welche  Menge  von  Schuͤlern  mußte  nicht  ein  Mann  von
Wiklifs  Feuer  haben,  wenn  er  gerade  auf  dem  rechten  Platz
steht?

Die  Geschichte  der  Schuͤler  Wiklifs  fuͤhrt  zu  der  Geschichte
  der  Boͤhmischen  Religionsunruhen,  welchen  zwar
Huß  den  Namen,  aber  außer  dem  Namen  kaum  viel  weiter
als  eine  Hauptveranlassung  des  heftigern  Ausbruchs  gab.
Das  eigentlich  Dogmatische  bei  denselben  war  nicht  sowohl
seine  eigene  als  seiner  Freunde  Sache.

g.  29.
Böhmische  Unruhen.

Fohann  Huß  war  schon  nach  Costnitz  abgegangen,  dort
gegen  die  Beschuldigungen  seiner  Feinde  sich  zu  vertheidigen;
auch  sein  treuer  Gehülfe  Hieronymus,  der  Wiklifs  Weinungen
  in  England  gelernt  hatte,  war  bereits  auf  dem  Weg,
als  der  einmal  bei  den  Böhmen  geweckte  Untersuchungsgeist
eine  Spur  der  unterdrückten  Wahrheit  entdeckte  deren  augenblickliche
  Benutzung  so  viel  größeres  Aufsehen  machen