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Glaubenssachen  ein  Ziel  gesetzt,  und  bei  dem  Untrüglichkeitsehrgeiz,
  womit  der  Roͤmische  Bischof  jede  seiner  Entscheidungen
  auf  ewig  behaupten  mußte,  waren  doch  Partiegeist  und
Observanzorthodorie  immer  noch  erträglichere  Uebel  als  päbstliche
  Decrete,  weil  jene  einer  Abwechselung  von  Zeit  und
Umständen  unterworfen  waren.

Die  Hierarchie  hatte  sich  zwar  auf  Kosten  des  Staats
vergrößert,  die  Kloster  =  und  Weltgeistlichkeit  war  offenbar
zu  reich  und  zu  mächtig  geworden,  aber  unstreitig  gab  doch
das  hieraus  entspringende  Uebel  dem  drückenden  Feudalsystem,
unter  welchem  die  ganze  Gesellschaft  litt,  ein  so  vortheilhaftes
Gegengewicht,  daß  gerade  aus  der  Mischung  zweier  Uebel
ein  allgemeiner  Nutzen  entsprang.  Der  Klerus  war  doch
noch  immer  selbst  zum  Theil  auch  aus  Interesse  Pfleger  und
Beförderer  der  Wissenschaften;  bei  der  fortdaurenden  entschiedenen
  Uebermacht  desselben  wurde  also  auch  immer  ein  Keim
für  die  Nachwelt  erhalten,  der  so  schwach  er  auch  war,  doch
immer  wieder  einen  ersten  starken  neuen  Reiz  zur  Aufklärung
  geben  konnte.

Die  Vorsehung  mißt  mit  bewunderungswürdiger  Weisheit
  verschiedenen  Zeitaltern  bei  allem  Schein  der  schröckendsten
  Verschiedenhcit  vielleicht  doch  fast  gleich  zu.  Die  Menschen
  schätzen  gewisse  Zeitalter  nach  gewissen  in  die  Augen
fallenden  großen  Uebeln  und  großen  Vortheilen,  ohne  aufmerksam
  zu  seyn,  wie  sich  oft  jene  durch  mehrere  gleichzeitige
kleine  Vortheile  ersetzen,  und  diese  durch  gleichzeitige  kleine
Uebel  geschwächt  werden.