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So  hat  es  wohl  Luthern  manche  Bekümmerniß  erweckt,
daß  die  Bauern,  seufzend  unter  dem  Drucke  ihrer  besonders
damals  sich  häufenden  Steuern,  aus  seiner  trefflichen  Lehre
von  Chrisilicher  Freihcit  ein  Rebellenprivilegium  gegen  die  1524
Obrigkeit  machten,  und  Zwingels  neue  Meinungen  vom  Abendmahl
  mußten  ihm  ein  Probestück  des  menschlichen  Geisies
scheinen,  der,  weil  ihm  bisher  so  manches  erlogene  Geheimniß
  aufgeheftet  wurde,  nün  alles  allein  nach  seiner  vernünftigen
  Einsicht  richten,  und  inicht  mehr  blindlings  dem  Worte
des  Allwissenden  glauben  wolle,

§.  3.
Glücklicher  Fortgang  der  Ref.  unter  Joh.  dem  beständigen.

So  lange  übrigens  Churfürst  Friedrich  der  weise  lebte,
so  hielt  sich  Luther  selbst  in  manchem  zurück,  und  er  konnte
seinen  neu  entdeckten  Wahrheiten  so  lange  keine  allgemeine
Fortdauer  und  vollkommene  Sicherheit  verfprechen,  bis  durch
dieselbe  recht  sichtbare  Veränderungen  im  politischen  Sysiem
würden  hervorgebracht  worden  seyn,  und  die  Teutschen  Regenten
  auch  aus  persönlichem  Interesse  dieselbe  begünstigten.

Dem  weisen  Friedrich  folgte  in  der  Regierung  sein  Bruder
  Johann  der  besiändige,  und  unter  dem  Schutze  dieses  1525
entschlossenern  Fürsten  fand  Luther  sich  und  seine  Sache  so
vollkommen  gesichert,  daß  er  nun  sogar  zu  heurathen  sich
unterstand,  nachdem  er  schon  das  Jahr  vorher  die  Kutte  mit
dem  Weltpriesierrock  vertauscht  hatte.  Politisch  klug  schien
es  wohl  damals  nicht  zu  seyn,  den  bittern  Hohn  seiner  Feinde
  und  die  sorgevollen  Vorstellungen  seiner  Freunde  gerade
zu  einer  solchen  Zeit  zu  verachten,  da  die  Schlacht  bei  Pavia
  den  Kaiser  zum  Herrn  seines  einzigen  furchtbaren  Nebenbuhlers
  machte,  und  über  die  Veränderung  in  Preussen  auf
Reichstagen  sehr  viel.  geklagt  wurde.

Spittler's  sämmtl.  Werke.  II.  Bd.  20