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Zehen  Jahre  waren  es  nun,  seitdem  Luther  seine  theses
angeschlagen,  und  schon  hütten  seine  Meinungen  in  allen
Theilen  des  cultivirten  Enkopa  den  ausgebreitetsten  Beifall.
Schon  hatten  sich  die  Bekenner  der  neuen  Lehre  in  eine  eigene
  außere  Gesellschaft  vereinigt.  Schon  eristirte  eine  Kirche
die  seinen  Namen  mit  eben  so  vielem  Ruhme  tragen  konnte,
als  damals  die  katholische  mit  gerechter  Schmach  den  Namen
des  Pabsis  tragen  mußte.  Daß  das  Feuer,  das  er  angezündet
  hatte,  nun  so  helle  brannte  und  daß  selbst  sein  gekrönter
Antagoniste  in  England  aus  Ueberdruß  an  seiner  Gemahlin
auch  vom  Ueberdruß  an  der  Rmischpäbstlichen  Oberherrschaft
  befallen  zu  werden  anfieng,  dieß  mußte  den  nur  für
Gottes  Sache  empfindenden  Luther  trösten,  wenn  er  in  seiner
  Nachbarschaft  im  herzoglichen  Sachsen  und  in  Brandenburg
  die  Bekenner  seiner  Lehre  verfolgt  sah,  und  den
noch  kränkenderen  Verdruß  erfuhr,  daß  die  Schweizerischen
Reformatoren  Zwingel  und  Oekolampadius  von  ihrer  ihm
so  ganz  widrigen  Vorstellungsart  der  Lehre  vom  Abendmahl
nicht  abgebracht  werden  konnten.

.  4.
Luther  und  Zwingli  uneinig.  Augsb.  Conf.

1529  Der  bisherige  Genuß  eines  glücklichen  Fortgangs  schien
durch  einen  Reichstagsschluß  zu  Speier  unterbrochen  zu  werden.
  Ferdinand,  der  damals  noch  nicht  fürchtete,  daß  Suleimanns
  ganze  Macht  innerhalb  fünf  Monaten  Wien  belagern
  werde,  brachte  die  nochmalige  Erneuerung  des  Wormser
  Decreis  zu  stande,  und  die  Lage  der  neuen  Kirche  schien,
ungeachtet  der  damals  eingelegten  Protestation  der  protestantischen
  Fürsien,  doppelt  gefährlich  zu  werden,  da
Karl  mit  dem  Pabst  sich  aussöhnte,  und  wahrscheinlich  schon
damals  die  muthigen  Teutschen  Färsten  zum  Opfer  der  Ver-