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Bei  Landgraf  Philipps  aufbrausender  Hitze  und  bei  Churfürst
  Johann  Friedrichs  phlegmatischer  Unentschlossenheit  konnte
keime  Eintracht  seyn.  Jeder  der  protestantischen  Fürsten  sah
immer  mehr  auf  das  seine  als  auf  die  gemeine  Sache,  und
besonders  der  Churfürst  von  Sachsen  war  ein  Opfer  treulo-1547

  ser  und  unverständiger  Freunde.  Die  Schlacht  bei  Muͤhl—
berg  entschied.

Moritz  erhielt,  was  seine  arglistige  Politik  gesucht  hatte,
aber  den  eifrigen  Lutheranern  war  es  ein  Gräuel,  daß  er
seinem  guten  redlichen  Veiter  den  Churhut  geraubt;  und  man
sah  alle  diejenigen  als'  Theilnehmer  dieses  Verbrechens  an,
welche  aus  Johann  Friedrichs  Diensten  in  Moritzens  Dienste
übertraten.  Dem  alten  Melanchthon  hätten  sie  es  nicht  so
ganz  übel  nehmen  sollen,  er  war  einmal  an  Wittenberg  gewöhnt;
  wenn  auch  die  projectirte  Universität  Jena  zu  Stande
kommen  sollte,  so  war  eine  solche  Versetzung  immer  unangenehm,
  und  es  foderte  immer  den  Enthussasmus  junger  Leh,
rer  um  die  Sache  in  Gang  zu  bringen.

„  Moritz  selbst  erfuhr  bald,  was  für  ein  beschwerlicher
Wohlthäter  sein  allergnädigster  Kaiser  sey.  Trotz  aller  seiner
Vorstellungen  wurde  sein  Schwiegerbater,  der  arglistig  gefangen
  genommene  Philipp  von  Hessen  nicht  losgelassen,  und  da
Karl,  um  sowohl  die  Protestanten  als  den  Pabst  zu  demöthi-1548

  gen,  auf  dem  Reichstag  zu  Augsburg  einen  dogmatischen  Aufsatz
  publiciren  ließ,  wie  es  bis  zur  Entscheidung  einer  allge,
meinen  Synode,  in  Glaubenssachen  und  Kirchengebräuchen
gehalten  werden  sollte,  so  sah  man  vorzüglich  auf  Moritzen,
und  versprach  sich  Gehorsam  von  dem  neuen  Churkfürsien.
Nichts  traurigeres  aber  ist,  als  eine  solche  Convenienzreligion
wie  wir  durch  dleses  Augsburger  Interim  bekommen  sollten.

Als  ob  man  sich  über  die  Wahrheit  vergleichen  könnte,  wie