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Wer  sollte  wohl  auch  im  Munde  eines  Lutheraners  das
Gestaͤndniß  tadelhaft  finden,  daß  wir  den  groͤßten  Theil  unserer
  berichtigtern  theologischen  Kenntnisse  den  Arminianern
zu  danken  haben?  Wie  lange  Zeit  hat  es  gebraucht,  bis
wir  den  Exegeten  Grotius  auch  nur  benötzen  lernten?
Wie  weit  sind  die  Dogmatiker  Episkopius  und  Limborch
  vor  ihren  Zeitgenossen  unserm  Gerhard  und  Calov
  voraus?  und  Clericus  hatte  in  Ruͤcksicht  auf  ganzen
  Umfang  freimuͤthiger  Gelehrsamkeit  unter  allen  damaligen
  Reformirten  und  Lutherischen  Theologen  keinen  seines
Gleichen.  Wetstein  muß  gewiß  auch  uns  höoͤchst  schaͤtzbar
  seyn,  wenn  schon  unser  Bengel,  sein  Vorgänger,
noch  größern  Ruhm  verdient.  Eine  Religionspartie,  die  so
viele  in  einer  Reihe  fortgehende,  aufgeklärte,  große  Männer
  hatte,  zog  fast  unvermeidlich  auch  den  übrigen  Theil
der  theologischen  Welt  in  ihre  Grundsätze  hinein,  und  die
allmälig  herrschend  gewordene  Abneigung  gegen  alles  positive
in  der  Religion,  wenn  schon  mehrere  Ursachen  zusammentrafen
  dieselbe  hervorzubringen,  ist  doch  vorzöglich  durch  die
Schriften  der  Arminianer  auch  unter  uns  ausgebreitet  worden.

138.
Bemerkungen  über  das  Ganze  der  Gesch.  der  Ref.  Klrche.

Die  Reformirte  Kirche  macht,  wie  aus  der  bisherigen
Erzählung  erhellt,  weit  weniger  ein  Ganzes  aus,  als  die  Lutherische.
  Unsere  Augsburgische  Confession  ist  ein  fast  ganz
allgemein  geltendes  Symbol;  bei  ihnen  hat  fast  jede  große
Partikularkirche  ihr  eigenes  und  den  übrigen  oft  ziemlich  unähnliches
  Symbol.  Zwingels  Ideen  in  Ansehung  des  Kirchenrechts
  liessen  sich  noch  viel  schwerer  als  seine  theologischen
  Lehrsätze  von  Calvinischen  Ideen  verdrängen;  wo  sie
berrschend  geblieben  sind,  da  konnten  zwar  wohl  einzelne