343

so  genannte  oͤkumenische  Concilium  anrichtete.  Sorglos  haben
  vorher  die  Gelehrten  unter  den  Katholiken  über  manche
Glaubenspuncte  disputirt,  und  ohne  deutliche  Gefahr  von
Heterodorie  konnten  sich  eine  der  dissentirenden  Partien  zur
Meinung  der  Reformatoren  halten:  itzt  wurden  nach  dem
Gutachten  der  Ordenstheologen,  welche  eigentlich  die  Inspiratoren
  des  Conciliums  waren,  scharfe  Gränzlinien  gezogen,
bey  welchen  man  oft  nicht  weiß,  ob  die  Kähnheit  des  ersten
Rathgebers  oder  der  beistimmenden  Bischbfe  mehr  zu  beklagen
  ist.  Dabei  verstanden  sich  aber  diese  Orthodorierichter
doch  auch  trefflich  auf  Erfindung  zweideutiger  Redarten,
wenn  es  zwistige  Puncte  ihrer  Ordenstheologie  betraf,  und  die
Hauptmaterien  der  Reformation,  welche  neben  Festsetzung
der  Orthodorie  das  zweite  große  Geschäft  der  Synode  war,
wurden  entweder  so  unberührt  abgehandelr,  oder  so  künstlich
nach  Rom  geschoben,  daß  ein  großer  Theil  selbst  von  Katholiken,
  der  die  dogmatischen  Entscheidungen  des  Conciliums
dem  heil.  Geist  nicht  absprechen  wollte,  in  Disciplinartikeln
den  Röômischen  Geist  so  deutlich  fand,  daß  sie  allen  Gehorsam
  durchaus  verweigerten.
i
Zustand  der  Kathol.  Kirche  im  Ganzen  nach  der  Trientischen
Svnode.

So  wahr  ist  es  also,  daß  die  altkatholische  Partie  durch
die  geschehenen  großen  Trennungen  nicht  nur  an  Ausdehnung
sondern  auch  an  innerer  Guͤte  verlor.  Wohl  sind  in  derselben
  in  allen  Faͤchern  große  Gelehrte  aufgestanden;  die  alte
  Nacht  der  Unwissenheit  floh,  und  wenigstens  in  Italien
und  Frankreich  fand  sich  mancher  Kenner  der  classischen  Litteratur,
  der  in  der  Vergleichung  mit  den  edelsten  unserer
Teutschen  Protesianten  gar  nicht  verlor.  Aber  die  Dogma-