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g.  36.
Wiederauflebung  der  Mystiker.  Rathmannische  Streitigkeiten.
Morgendämmerung,  durch  Calixtus  hervorgebrackt.

Die  allgemeine  Anarchie,  welche  der  dreißigjährige  Krieg
in  Teutschland  anrichtete,  war  in  ihren  Folgen  für  den  gelehrten
  Zustand  der  Lutherischen  Kirche  eben  so  fühlbar,  als
für  die  ganze  Teutsche  Kirche.  Die  wilden  Sitten  der  Soldaten
  wurden,  wie  für  die  ganze  Nation,  besonders  auch  für
die  Universitäten  ansieckend,  der  Pennalismus  riß  ein,  die
wichtigsten  Professorsstellen  blieben  aus  Geldmangel  mehrere
Jahre  lang  unbesetzt,  und  die  nützlichsten  Erziehungsanstalten
hörten  auf.

Je  mehr  sich  aber  der  Druck  solcher  äußern  Umstände
vermehrte,  desio  mehr  wandten  sich  manche  edlere  Seelen  zu
der  Mystik.  Die  Schriften  des  Gbrlitzer  Schusters
würden  in  einem  andern  Zeitalter  weniger  Glück  gemacht
haben,  und  der  Ruf  von  Rosenkreuzern  würde  bei  andern
  Zeitverhältnissen  weder  so  zweifelhaft  noch  so  lange  daurend
  gewesen  seyn.  Selbsi  manche  der  gelehrteren  Theologen
wandten  sich  in  der  Stille  zu  dieser  sinnlich  erquickenderen
Partie,  und  Johann  Gerhard  zu  Jena  sah  gewiß  mit
nicht  geringer  Bekümmerniß,  wie  rüstig  seine  Collegen  den
edlen  Freund  Arnds,  den  rechtschaffenen  Rathmann
mißhandelten.

Schon  lag  zu  Wien  das  Restitutionsedict  fertig,
das  der  Protestantischen  Partie  in  Teutschland  den  Untergang  1639
drohte,  schon  war  vorläufig  der  größte  Theil  von  Wirtemberg
  mit  kaiserlichen  Truppen  besetzt,  Hessen  vermittelst
des  Marburgischen  Erbschaftstreits  ganz  unterjocht,  das  Welsische
  Haus  eines  großen  Theils  seiner  Lande  beraubt,  als
doch  immer  noch  die  Theologen  gegen  Arnd  polemistrten,  die