374

Bruderssohn  des  strengorthodoren  Franz  Turretin,  erklärte
sich  unerschrocken  für  allgemeine  Gnade  Gottes,  und  theilte
sich  nicht  mehr  so  furchsam  zwischen  Wahrheit  und  Irrthum
als  ehedem  Ampyraut.  Ach  wie  brüderlich  er  den  Lutheranern
  die  Hand  reichen  wollte,  wie  schön  er  Theologie  zur
Religion  zurückführte,  wie  verständlich  und  edel  seine  Sprache
war!  Sam.  Werenrfels  zu  Basel  schien  ganz  sein  Jwillingsbruder
  zu  seyn:  gber  beide  blicben  doch  in  ihrem  und
auch  in  dem  folgenden  Zeitalter  so  einzeln,  daß  die  Nachwelt,
um  ein  schönes  Kleeblatt  vor  sich  zu  haben,  mit  einem  kleineu
  Parachronismus  Saken  noch  zu  ihnen  rechnen  wird.

Die  Geschichte  der  Reformirten  Kirche  in  unserm  Jahrhundert
  ist  so  einschläfernd  ruhig,  daß  es  nicht  der  Möhe
werth  seyn  wird,  ihr  einen  besondern  Abschnitt  im  Grundriß
der  Kirchengeschichte  zu  geben.  In  den  vereinigten  Niederlanden
  ist  alles  abgestorben,  denn  selbst  Alb.  Schul.
tens,  so  viel  auch  die  durch  ihn  erregte  Revolution  der  Ebräischen
  Litteratur  6  in  ihrer  letzten  Anwendung  auf  die  Theologie,
  nützte,  hat  doch  für  sich  selbst  kaum  dazu  vorbereitet.
Auch  England  ist  weit  das  nicht  mehr,  was  es  ehemals
war.  Mancher  Schriftsteller,  welcher  für  die  Religion  und
Theologie  hätte  nützlich  werden  können,  hat  sich  zum  politi,
schen  Partieschriftsteller  bestimmt,  und  kaum  erscheint  hie  und
da  ein  etwas  schätzbarer  daurender  Beitrag  zur  Erweiterung
der  bisherigen  theologischen  Gränzen.  Die  Geschichte  beider
Kirchen  ist  zwar  in  dieser  Periode  nicht  ganz  leer  von  Streitigkeiten:
  aber  sie  bildeten  nicht,  sie  waren  meist  nur  weitere
Beweise  von  dem,  was  man  sonst  schon  vom  Justande  dieser
Kirchen  wußte.

Am  wenigsten  darf.man  aus  Frankreich  etwas  erwarten;
Glück  genug,  wenn  sich  so  verfolgte  Gemeinen  hüten,  durch