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Man  setze  sich  unparteiisch  in  die  Lage  eines  Juden  und
frage  sich,  ob  man  durch  einen  Callchbergischen  Missio-—
nar  gewonnen  worden  waͤre,  oder  man  lese  die  Tranquebarischen
  Missionsberichte,  und  entscheide,  ob  die  Missionarien
mehr  zu  bedauern  seyen,  welche  ihre  Sachen  so  ungeschickt
anfangen,  oder  die  armen  Malabaren,  mit  welchen  so  ungeschickt
  angefangen  wird.  Noch  haben  sich  bisher  unter  Protestanten
  die  Herrenhuter  um  die  Ausbreitung  des  Christenthums
  durch  Missionen  am  verdienresten  gemacht,  wenn  schon
auch  bei  genauerer  Betrachtung  ihrer  Bemühungen  die  Freude
oft  nur  darinn  besteht,  daß  doch  etwas  geschehen  ist.

In  der  Römisch  Katholischen  Kirche  geschieht  mehr
für  die  Ausbreitung  des  Christenthums  als  bei  den  Prote,
stanten,  weil  der  Mensch  gewöhnlich  da  eifriger  ist,  wo  er  um
sein  selbst  willen,  als  wo  er  um  Gottes  willen  handelt.  Aber
hat  nicht  diese  selbstsüchtige  Art  das  Christenthum  zu  predigen,
  demselben  in  manchen  Ländern  den.  Zugang  auf  ewig
versperrt?  Wie  lgieng  es  in  Japan?  Was  hat  auch  iuͤ
China  zu  den  vielen  oft  hochst  traurigen  Katastrophen  der
Bekenner  des  Christenthums  beigetragen?  Wie  mancher  gerühmte
  Proselyt  der  Romischen  Kirche  war  weiter  nichts  als
cein  Bettler,  der  sich,  um  ein  Stück  Geld  zu  erhalten,  Heuchelei
  auf  eine  kurze  Zeit  erlaubt  hielt.  Wenn  endlich  nur
Christus  gepredigt  würde,  es  geschähe  aus  redlichen  oder
selbsisüchtigen  Absichten;  aber  ist  es  Chrisiliche  Lehre,  welche
die  Rômischen  Missionarien  predigen,  oder  wird  bloß  heidnischer
  Aberglaube  mit  Römischem  umgetauscht?

9.  48.
Streitigkeiten  über  Quesnels  N.  T.  Constitution  Unigenitus.

Die  Chinesischen  Missionsstreitigkeiten  waren  zu  Rom
noch  in  ihrer  größten  Gährung,  als  die  Jesuiten  einen  an-