—

410

wo  sich  die  Bruͤder  ansetzten.  Ihre  erklärte  Vereinigung
mit  den  A.  C.  verwandten  sollte  den  Weg  bahnen,  um  nicht
sogleich  nachtheilige  Aufmerksamkeit  gegen  sie  zu  erregen,  und
ihre  beibehaltene  abweichende  Religionsgebräuche  sollten  der  Faden
seyn,  an  welchen  das  noch  verborgene  Gewebe  angeknüpft
werden  könnte.

Erst  der  Missionariuseifer  des  Grafen,  wie  er  einmal
recht  wirksam  zu  werden  anfieng,  zeigre  einen  Theil  dessen,
was  allzu  argwöhnische  Gemüther  gleich  anfangs  befürchtet
hatten,  und  da  dieser  erlauchte  Theolog,  wahrscheinlich  auch
sicher  gemacht  durch  seinen  ersten  glücklichen  Fortgang,  in
seinen  Vorträgen  und  Liedern  einer  Schwatzhaftigkeit  sich
überließ,  welche  auch  den  geübtesten  Denker  manches  unüberdachte
  hätte  sagen  machen,  so  änderte  sich  allmälig  die  anfangs
  bloß  allzubilderreiche  Religion  in  ein  sinnlich  religiöses
Gemische,  das  bald  eben  so  ärgerlich  als  ungereimt  wurde.

Feder  Schwärmer  hält  auf  sein  Gemüthlichkeit,  aber
der  Graf  setzte  Gotres  Wort  gar  zu  weit  gegen  dieselbe  herab.
  Zu  Herrenhut  hätte  immerhin  eine  Einrichtung  seyn  mögen,
welche  der  Gütergemeinschaft  der  ersten  Christlichen  Gemeine  zu
Jerusalem  ähnlich  seyn  sollte;  aber  so  bald  sich  die  Brüdergemeine
auch  in  andern  Ländern  ausbreitete,  so  konnte  die  Heilands,
kasse  unmöglich  Gemeinkasse  seyn,  und  das  willkührliche
Heurathsgouvernement  mußte  manchen  Brüdern  beschwerlich
  werden.

Manche  fromme  Secle  mag  dem  Tadel  eifriger  Theo-=logen
  lange  nicht  getraut  haben,  die  Beispiele  von  Spener
und  Frank  und  alle  ältere  Geschichte  schienen  zu  beweisen,
daß  alles  Gute  Widerspruch  leiden  müsse;  aber  als  endlich
selbst  Bengel  dagegen  auftrat,  und  mit  versfärkterem  Ernst
Vorstellungen  machte  als  Weismann,  so  schied  sich  die