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Orthodoxie  zuruͤckgeschroͤckt  und  zur  Heterodoxie  ermuntert
habe.
C.  88.

Im  Ganzen  haben  wir  durch  diese  Revolution  der  letztern
  dreißig  Jahre  außerordentlich  gewonnen,  und  sie  werden
sich  wahrscheinlich  einst  als  die  glänzendste  Periode  der  Lutherischen
  Kirchengeschichte  auszeichnen.  Wenn  ist  je  die  Bibel
  mit  so  viel  kritischer  Mähe  behandelt,  ihr  erster  hiltorischer
  Sinn  mit  einem  solchen  Vorrath  der  mannigfaltigsten
Kenntnisse  untersucht  worden?  In  welchem  zeitalter  hat  die
Aufklärung  des  Alten  Testaments  durch  Reisebeschreibungen,
durch  den  Gebrauch  verwandter  Dialekte  und  durch  eine  an
classischer  Litteratur  geübte  Interpretationskunst  so  viel  gewonnen?
  Wenn  ist  je  der  Gesichtspunct,  aus  welchem  die
Bücher  besonders  des  alten  Testaments  betrachtet  werden
müssen,  mit  so  viel  Wahrheit  und  Geschmack  fesigesetzt  worden?
Welcher  Zeitpunct  der  Lutherischen  Kirche  hat  so  viele  philosophisch
  aufgeklärte,  philologisch  gelehrte  und  geschmackvolle
Theologen  gehabt,  als  unser  Zeitalter?

Wie  schwesterlich  nähert  sich  Theologie  immer  mehr
der  Religion?  Wie  viel  wurde  nicht  durch  kritischen  Fleiß
in  der  Kirchengeschichte  aufgeklärt?  War  es  nicht  einer  Gährung
  werth,  um  die  Lehre  vom  Kannn  so  berichtigt  zu
erhalten,  als  wir  sie  itzt  haben?  Der  strengere  Richter  unsers
  Zeitalters  wird  vielleicht  gegen  alle  diese  Vortheile  den
herrschenden  Hang  zum  Naturalismus  abwägen  wollen,  über
die  Zögellosigkeit  klagen,  womit  selbst  oft  theologische  Schriftsteller
  solche  Lehren  behandeln,  welche  vom  größern  Theil  ihrer
  Zeitgenossen  nicht  ohne  große  Wahrscheinlichkeit  als  biblisch
  glaubwürdige  Lehren  angesehen  werden,  und  endlich  auch
ven  den  ökonomischen  Ursachen  der  Vielschreiberei  unserer