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freund  auch  aus  der  Hand  seines  Gegners  dankbar  als  Geschenk
  annimmt.

Gewiß  war  es  zum  Glück  der  Religion,  daß  Rousseau
Voltaire's  Zeitgenosse  war,  und  mit  seinem  rednerischen  Eifer
  für  reine  Moral  und  aufgeklärte  natürliche  Religion  den
unermeßlichen  Schaden  einigermaaßen  verhütete,  welchen  allgemein
  einreißender  Unglauben  nothwendig  anrichten  muf.
Traurig  genug,  daß  wir  es  noch  als  Vortheil  ansehen  müssen,
  nur  nicht  alle  Religion  niedergestürtzt  zu  sehen,  daß  einer
  der  heftigsten  Gegner  der  Wunderwerke  Jesu  noch  mittelbar
  als  Schutzwehr  der  Christl.  Religion  betrachtet  werden  kann:
aber  warum  sollken  wir  uns  hierüber  in  Ansehung  Katholischer
  Länder  wundern,  da  sich  manches  selbst  im  Protestantischen
  Teutschland  hie  und  da  zum  Zeitalter  des  Systems
der  Natur  zu  neigen  scheint,  wenn  anders  die  schriftstellerische
  Welt  einen  sichern  Maßstab  des  allgemeinen  Justandes
  geben  kann.

Die  letzte  große  Erscheinung  in  den  Annalen  des  Teutschen
  Unglaubens  sind  —  die  von  Lessing  herausgegebenen
  Fragmente  eines  Ungenannten,  in  welchen  besonders
  die  Auferstehungsgeschichte  Jesu  so  feindselig  aber  auch  so
scharf  angegriffen  wurde,  als  bisher  von  keinem  englischen
oder  Französischen  Deisten  gesah.  Sollten  sie,  wie  nicht  unwahrscheinlich
  ist,  ein  Nachlaß  von  Reimarus  seyn,  so
würde  das  Phänomen  in  Ansehung  des  Orts,  wo  es  erschien,
und  selbst  auch  in  Ansehung  des  Verfassers  manche  pragmas
tische  Bemerkung  veranlassen  welche  uns  zur  Duldung  und  unparteiischen
  Selbsiprüfung  führen  müßte.