52

herrschaft  der  Römische  Bischof  als  eine  Schenkung  der
Fränlischen  und  Deutschen  Könige  ansah,  war  noch  weit
mehr  Aristokraten=  Anarchie,  und  in  Unter-Italien  entstund
durch  allmählige  Eroberungen  ein  Normännisches  Reich.
21r.  Schon  war  auch  seit  dem  letzten  Viertel  des  eilften
Jahrhunderts  die  Krise  völlig  reif,  die  endlich  zwischen  den
neuen  Communitäten  und  so  wohl  großem  als
kleinem  Landadel,  ein  Menschenalter  nachher,  voͤllig  ausbrach.
  Der  Pabst  selbst  beschleunigte  den  Ausbruch.  Sein
Simonie=  und  Coelibatkrieg  raubte  den  Bischöfen  und  großen
  geistlichen  Proprietairs  alle  Sicherheit  und  alles  Ansehen,
  und  da  ohnedies  der  rege,  politische  Vergroͤßerungsgeist
der  neuen  Communitäten  gern  immer  zuerst  an  den  Bischöfen
  sich  vergriff,  auch  selbst  der  Kaiser  das  Gedeihen  dersel-1140.
  ben  unvorsichtig  zu  begünstigen  schien,  so  entwickelte  sich
1150  ndlich  die  letzte  Krise  so  unaufhaltbar,  daß  sie  schon  vollendet
  da  war,  noch  ehe  man  ihrer  scheren  Vollendung
recht  entgegensah.

Es  war  dabei  ein  seltsames  Gähren  und  Drängen  in
den  Ideen  des  Zeitalters.  Die  Meinungen  der  Gelehrten
waren  fast  alle  zu  Gunsteu  des  Kaisers  oder  der  höheren
geistlichen  und  weltlichen  Stände,  und  sie  hatten  überdieß
noch  gerad  um  diese  Zeit  durch  das  neuaufblühende
Römische  Recht  einen  ungewöhnlichen  neuen  Schwung
gewonnen.  Welche  Aussicht  war  dies  nicht  für  den  Kaiser
und  die  höheren  Stände,  da  fast  allen  Erfahrungen  zufolge
die  Meinungen  der  Gelehrten  zuletzt  immer  die  herrschenden
  Ideen  des  Zeitalters  werden.  Allein  die  Volks-Geföähle
und  Volks-Meinungen,  die  aus  gesellschaftlichen  Bedürfnissen
  entsprangen,  siegten  über  alles.  Kein  Schriftsteller
hatte  den  Ton  angegeben;  kein  gelehrter  Mann  weckte  oder