80
oss  9.  Nikolaus  II.  hat  also  während  seiner  kurzen
lobl  Regierung  den  sichersten  Grund  zur  weltlichen  Herrschaft
des  Römischen  Bischofs  gelegt.  Von  ihm  empfieng  auch  der
tapfere  Normann  Robert  Guiscard  die  Investitur  über  Apulien
  und  Calabrien  sammt  dem  Herzogstitel  gegen  Versprechung
  der  gewöhnlichen  Vasallentreue  und  eines  jährlichen
Census.  So  unangenehm  aber  jetzt  den  Königen  von  Neapel
  diese  Lehens-Verbindung  und  jährliche  Census-Entrichtung
  seyn  mag,  so  klar  sprechen  doch  diesmal  Geschichte  und
Urkunden  für  die  Prätensionen  des  Pabsis.  Denn  wenn  kein
Besitz  mehr  sicher  seyn  soll,  wenn  nicht  gleich  bei  der  ersten
Erwerbung  desselben  das  klareste  Recht  statt  gehabt  hat,  wo
wird  noch  Ruhe  in  einem  Staat  bleiben?  werden  nicht  zuletzt

  auch  die  heiligsten  Prärogativen  ungewiß  werden?

(Borgia)  Istoria  del  dominio  temporale  della  sede  Apostolica.
nelle  duc  Sicilic.  Roma.  1789.  4.  mit  einer  recht  feinen,  polemischen

  Discretion  abgefaßt.

10.  Doch  selbst  dieses,  was  unter  Nikolaus  II.  geschah,
war  doch  nur  ein  Anfang,  denn  bald  regenerirten  sich  die
Aristokraten  -  Fackionen,  und  es  war  ein  seltsames  Schauspiel,
  was  die  Welt  sah,  daß  eben  derselbe  Gregor  VII.,
vor  dem  man  diesseits  der  Alpen  allgemein  zitterte,  zu  Rom
kaum  durch  einen  Auflauf  des  Volks  aus  den  Händen  eines

1076  gewaltthaͤtigen  Barons  entrissen  werden  konnte.  Der  ver—
wegene  Mann  spann  sich  ein  großes  kunst-  und  projektvol—
les  Gewebe,  um  alle  Koͤnige  der  Erde  zu  seinen  Vasallen
zu  machen;  und  war  nicht  einmal  Herr  in  seiner  eigenen
Residenz!

Zum  Gluͤck  des  Roͤmischen  Bischofs  hatte  nie  eine  der
Aristokraten-Factionen  Muth  oder  Einsicht  genug,  irgend
eine  feste  Einrichtung  oder  daurende  Coalition  zu  Stande  zu

brin-