132

stadt  von  Constantinopel,  einen  eigenen  kleinen  Staat,  und
der  ganze  gewinnvolle  Handel  des  schwarzen  Meeres,  mit
dem  sich  auch  in  Caffa  ein  wichtiger  Kanal  des  Ostindischen
Handels  vereinigte,  wurde  ihr  Monopol.  Ganz  Constantinopel
  mit  allen  seinen  großen  Bedürfnissen  des  Lebens-Unterhalts
  und  selbst  auch  des  Lurus  stund  lange  Zeit  hindurch
unter  ihrem  Handelsdruck,  und  wenn  man  zu  Genua  das
Colonial-System  genug  versianden  hätte,  um  die  nahen  und
entfernten  Etablissements  mit  der  Mutterstadt  zu  einem
harmonischen,  hülfreichen  Ganzen  zu  vereinigen,  so  würde
vielleicht  Ligurien  schon  im  vierzehnten  Jahrhundert  das  geworden
  seyn,  was  Holland  in  spaͤteren  Zeiten  wurde.

9.  Doch  waͤhrend,  daß  ihr  Handel  im  Osten  so  groß
bluͤhte,  flutheten,  im  Stadtregiment  zu  Genua  selbst,
aristokratische  und  demokratische  Bewegungen  so  heftig  und
unaufhoͤrlich  unter  einander,  daß  fast  nicht  zehen  Jahre  lang
eine  und  eben  dieselbe  Administrations-Form  statt  fand.
Ueherdieß  war  zu  gleicher  Zeit,  auch  unter  den  Aristokraten
selbst,  ein  eben  so  wildes  Getreibe  der  Welfen  und  Gibellinen
  gegen  einander,  daß  es  fast  ein  unauflösliches  Problem
zu  seyn  scheint,  wie  Handel  und  Wohlhabenheit  sich  erhalten,
  und  oft  noch  ein  siegreicher  Krieg  gegen  Venedig  geführt
  werden  konnte.  Die  Fieschi  und  Grimaldi  waren  die
Chefs  der  Welfen,  die  Spinola  und  Doria  hießen  Häupter
  der  Gibellinen-Parthie,  aber  weder  jene  noch  diese  waren
selbst  einig  unter  einander,  noch  waren  diese  oder  jene  —  erklärte
  Freunde  oder  Feinde  der  Volksparthie.

10.  Endlich  aber  wurde  vom  aufgebrachten  Volk  ein
lebenslänglicher  höchster  Magistrat,  ein  Doge

1330  (Simon  Boccauegra)  gewählt.  Aber  so  gränzenlos  auch

seine  Macht  zu  seyn  schien,  so  haite  er  doch  nicht  Macht

–